#1

Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 13:41
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Hallo Freunde der analogen Fotografie,

diesmal möchte ich Euch eine doppeläugige Spiegelreflexkamera vorstellen, von der hier im Forum schon einige Ergebnisse existieren, welche ich nun aber auch mal näher beschreiben will.
Im Jahrbuch 2011 habe ich im Begleittext geschildert wie ich zu der Flexaret III stand; ich fand sie damals einfach grässlich. Ein klobiger Kasten, ein "Bauchladen", groß, unhandlich und altertümlich dazu.
Unternahmen wir eine Klassenfahrt, war diese Kiste mit Sicherheit nicht dabei, hatten doch andere eine EXA oder irgendetwas Zierlicheres mit SL-Kassetten oder Kleinbildfilm.
Sie verschwand im Schrank.
Nun, etliche Jahre später, ich hatte die entschleunigte Fotografie für mich entdeckt, kam sie wieder mal zum Einsatz. Und siehe da; so furchtbar war sie gar nicht. Im Gegenteil!
Via Internet erfuhr ich, daß sie noch erwachsenere Schwesten bekommen hatte.
Der Rest ist dann schnell erzählt - zwei Flexaret VI wechselten den Besitzer.
Zur Technik.
Die Flexaret III verfügt über ein dreilinsiges Mirar-Objektiv, eine düstere Mattscheibe und einem Kurbelantrieb für den Filmtransport. Wer hier an die Rolleiflex denkt liegt leider falsch.
Zum einen ist der Spannvorgang des Verschlusses nicht an den Filmtransport gebunden, zum anderen ergibt eine Kurbeldrehung NICHT den vollständigen Filmtransport - der Blick in das (abdeckbare) recht dunkle rote Guckfenster bleibt erhalten.
Ignoriert man diese Tatsache, hat man die schönsten Überlappungen.
Schade.
Filter und eine Streulichtblende gibt es auch; bei den Filtern sollte man auf die Originalen von Meopta zurückgreifen - sie vignettieren nicht und man kann die Gegenlichtblende auch noch aufstecken.
An meiner Flexaret III ist ein Prontor-S Verschluss verbaut, welcher noch die alte Zeitenreihe aufweist; diese von 1sek bis 1/300.
Ein Selbstauslöser rundet das Bild des Verschlusses ab.

Angefügte Bilder:
100_3024.JPG
100_3025.JPG
100_3033.JPG

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Res severa est verum gaudium

Seneca
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#2

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 13:44
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Die Flexaret VI ist nun schon ein Stück moderner.
Sie verfügt über eine Auto-Stop Automatik; transportiert den Film also um ein Bild automatisch weiter und spannt dabei den Verschluß.
Der Schärfenstellhebel ist mit zwei Handgriffen versehen und verfügt über eine Tiefenschärfenskala.
Die Mattscheibe ist immer noch recht dunkel, einen Schnittbildindikator gibt es nicht aber immerhin gibt es ein paar Markierungen welche beim Ausrichten der Kamera kolossal helfen.
Bei meinen beiden Flexaret VI wollte anfangs der Fortschaltbetrieb des Filmtransportes nicht richtig funktionieren - sie lagen wohl schon zu lange. Mittlerweile klappt's allerdings - selbst beim 135er Film.
Das Belar-Objektiv läßt kaum zu wünschen übrig - letztlich ist es ein Tessar-Typ.
Für Filter und Gegenlichtblende gibt es nun Bajonettanschlüsse. Mit etwas Geduld bekommt man das Zubehör auch noch; für die Gegenlichtblende bin ich allerdings ca. 100km gefahren. Die konnte ich also vergolden - aber ich hatte sie!
Der Metax-Verschluß der einen hat immer noch keine geometrische Zeitenreihe und geht bis zur 1/400 sek, der Prontor SVS der anderen wurde geometrisch ausgeführt und verfügt über die 1/500 sek.

Angefügte Bilder:
100_3019.JPG
100_3020.JPG
100_3021.JPG
100_3032.JPG

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#3

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 13:46
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Unbedingt nötig war es ja nicht, als ich aber gelesen hatte, daß es da noch Adapter für 24x36 Film gibt, wartete ich lange genug bis der Preis vertretbar war.
Das Einlegen des Filmes ist eine furchtbare Fummelei. Schnell gehen darf da nichts. Dann aber hat man reichlich 30 Bilder zur Verfügung.
Provisorisch kann man den 24x36 Deckel in der oberen Abdeckung zum Anvisieren lüften - besser ist allerdings der aufsteckbare Sucher.
Dank einer Bedienanleitung (welche in deutsch gar nicht so leicht zu besorgen ist) und der später genannten Website löste sich auch das Rätsel des zusätzlichen Rädchens am Bildzählfenster.
In der Filmmerkscheibe kann man sogar ablesen, ob 60mm oder 35mm Film in der Kamera ist.
Fazit: Mit einer KB-Kamera ist man handlicher unterwegs, die 80mm Brennweite gelten NATÜRLICH auch für den Kleinbildfilm, der früher bestehende Vorteil der (fast überall) Verfügbarkeit von KB-Film gilt nun auch nicht mehr - trotzdem habe ich die Anschaffung der KB-Einheit nicht bereut.

Angefügte Bilder:
100_3022.JPG
100_3023.JPG
100_3031.JPG

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#4

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 13:49
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Möglicherweise werden Besitzer einer Rolleiflex, Ikoflex oder Mamiya ein wenig lächeln. Technische Innovationen gibt es bei der tschechischen Flexaret nicht zu bestaunen.
Eine solide Kamera hat man dennoch in der Hand. Und - auch bei schmalerem Geldbeutel kann man TLR-Feeling ordentlich geniessen.
Immerhin - im Verkaufsgebiet der Flexaret war diese zu ihrer Zeit nur dem betuchteren Amateur oder auch Profi vorbehalten.
Soweit also zu meinen Erlebnissen mit der Flexaret. Der Anfang war etwas zäh - die folgende Begeisterung fast grenzenlos.
Wer sich ausführlicher mit den Kameras dieser Serie befassen möchte - hier der Link einer äußerst liebevoll gestalteten Seite.

VG
Holger


P.S. Die ersten beiden Bilder sind MF; die letzten beiden 24x36.

Angefügte Bilder:
IMG_01.jpg
IMG_03.jpg
IMG_43.jpg
IMG_45.jpg

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zuletzt bearbeitet 19.09.2011 13:52 | nach oben springen

#5

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 16:27
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Holger.
Man merkt bei Dir die Lieb zu diesem Modell. Ja, so wachsen einem einige Kameras besonders ans Herz.
Das werden dann Fotokinder, die man nicht mehr missen möchte. Ich habe 3 Oldys, von denen ich etwas über ihr Vorleben herausbekommen habe. Das verbindet dann nochmals etwas stärker an diese Lichtfallen.
So ab und an wird dann so ein Modell mal wieder mit einem Film geladen. So, in der Kameravielfallt begrenzt, macht meine Sammlung Spass.
Mein Paradepferd aber bleibt die von mir ehemals ungeliebte Mamiya 645. Das APS im Mittelformat!
Wir sind ein glückliches Paar geworden, weil sie wenig Mucken hat und so gut in den Rucksack passt.
Gruss Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
zuletzt bearbeitet 19.09.2011 16:27 | nach oben springen

#6

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 19.09.2011 19:50
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Hallo Holger,

schöner Bericht! Ich mag die Zweiäugigen auch gern... und eine Vorkriegs-Rolleicord hat auch eine verdammt dunkle Mattscheibe...

Viele Grüße
Nils


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#7

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 20.09.2011 12:09
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Hallo Nils, hallo Berthold,

Danke für Eure Einträge.

Ich möchte nun noch die Herkunft der letztes gezeigten Bilder benennen; die entstanden mit der Flexaret VI.
Von der Flexaret III stammen die im aktuellen Anhang.
Der Ort des Geschehens war übrigens im Böhmischen, genauer gesagt sind die Bilder auf der Burgruine Trosky entstanden.
Dort kam mir ein älterer Tscheche entgegen und freute sich über das ganze Gesicht über die Kamera.
Ob er sie als feinmechanisches Kleinod seiner Heimat erkannt hat?
Glauben wir es.

VG
Holger

Angefügte Bilder:
IMG_5.jpg
IMG_07.jpg

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zuletzt bearbeitet 20.09.2011 12:10 | nach oben springen

#8

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 20.09.2011 12:27
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Achso ja, wer eine defekte Flexaret besitzt und selber Hand anlegen will - hier ist ein Link zum Thema.
Nach meinen Recherchen im Netz soll es aber gar nicht so einfach sein an diesen Kameras herumzuschrauben.
Auch mein Reparateur des Vertrauens ist an ihr verzweifelt.
Ich selber habe völlig die Hände von ihr gelassen.
In feinmechanischen Dingen nun wahrlich nicht unbewandert - DA ist der Respekt noch zu groß.
Zurück zur Reparaturmöglichkeit: die soll wohl dann doch im Herkunftsland am besten bewerkstelligt werden.
FotoŠkoda in Prag könnte eine richtige Adresse sein. Übrigens auch für den Neu(Gebraucht)Kauf.

VG
Holger


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zuletzt bearbeitet 20.09.2011 12:28 | nach oben springen

#9

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 20.09.2011 21:19
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Negative aus der Anfangszeit meiner Gehversuche mit der FlexaretIII gibt es keine mehr.
Als ich aber die Kamera aus ihrem Dornröschenschlaf im Schrank geweckt hatte fiel mir doch auf, daß da noch ein belichteter ORWO-Film drin war.
Dieser wurde nun nach fast 30 Jahren entwickelt.
Das Ergebnis - nun ja. Zumindest recht fleckig.
Doch schaut selbst.

VG
Holger

Angefügte Bilder:
RECKE1_skal.jpg

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#10

RE: Meopta Flexaret

in Erfahrungsberichte 21.09.2011 05:33
von Gelöschtes Mitglied
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Aber es war noch was drauf!

Wie eine Reise durch den Zeitennebel.

Viele Grüße
Nils


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