#1

Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 01.11.2009 02:52
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Ich habe in den letzten Tagen nochmal einen Blick in den Ordner "Photographie" auf meiner Festplatte geworfen, dort fand ich eine irgendwann mal runtergeladene und dann vergessene pdf-Datei über die Hochglanztrocknung (mutmaßlich ein Scan aus dem Fotofehlerbuch von Kurt Fritsche).

Dort habe ich ein paar Dinge neu und wiederentdeckt u.a. daß man die Hochglanzfolie mit einem Wattebausch benetzen kann - das ist sauberer und sparsamer als draufschütten und funktioniert besser als mit dem Viskoseschwamm. Außerdem gibt Fritsche für den kalten Hochglanz den entscheidenden Hinweis - Fensterscheibenglas ist meist zu uneben, es sollen Spiegelglasplatten verwendet werden, also jene Platten mit denen Spiegel hergestellt werden. Ich habe es dann einmal nach seinen Ratschlägen mit dem kalten Hochglanz probiert, einmal mit einer Scheibe aus einem Bilderrahmen und ein anderes Mal mit einem ausgedienten Badezimmerspiegel, jeweils mit leichtem Anquetschen. Im Ergebnis zeigte sich dann, daß das Bild vom Spiegel abfiel und von der Scheibe nicht, sich aber mit einem Blatt Photopapier ablösen lies. Bei einem zweiten Durchgang wurde es noch einmal mit der Normalglasscheibe probiert, diesmal wurde nicht angequetscht, sondern das Bild einfach nur solange auf der nassen Folie verschoben, bis von der Unterseite keine Blasen mehr zu sehen waren, diesmal fiel es auch von selbst ab. Im Endergebnis zeigte sich jedenfalls, daß die Adhäsion auf Glas wesentlich besser funktioniert als auf den Chromfolien - Nachhelfen mit dem Fön nach leichtem Antrocknen oder kräftiges Anpressen ist daher tabu, sonst klebt alles untrennbar fest.

Indirekt brachten mir die Versuche aber auch etwas für den heißen Hochglanz, er gelingt jetzt mit ein paar Tropfen Netzmittel, Leitungswasser und 10% Spiritus nahezu einwandfrei. Des Rätsels Lösung ist nicht etwa die mangelnde Härtung unserer modernen Papiere für den Hochglanz (Fritsche beschreibt auch, daß zu stark gehärtete Papiere nicht gehen, konnte ich aber bisher nicht beobachten), sondern daß das Trägermaterial nicht plan genug liegt (davon ist allerdings in dem Buch nichts beschrieben, ich schlußfolgerte es nur aus diversen Ausführungen). Man kann sich wie folgt helfen, das nasse Papier (meines war eingeweichtes vorher luftgetrocknetes, ein Versuch mit einer frischen Vergrößerung)wird us der Schale genommen und mit der Rückseite geradezu gewaltsam (ich habe einen alten gußeisernen Rollenquetscher, ob einer aus Holz das langfristig aushält weiß ich nicht)an die Chromfolie - vorzugsweise eine ausortierte - anquetscht. Danach zieht legt man das Papier wieder kurz in die Flüssigkeit und quetscht das Papier nachdem man es geradezu auf die Folie aufgleiten läßt von der Mitte heraus auf die vorher gleichmäßig benetzte Chromfolie auf, der Rollenquetscher wird dabei sternförmig in flachem Winkel zum Papier ohne übertriebenen Druck geführt (eigene Tests auf einer Glasplatte wo man ja sehen kann, wie es am besten geht ergaben dies). Man kann auch noch vor dem Anquetschen das Bild auf der Folie hin- und herbewegen, weil dabei Luftblasen gerne verschwinden, aber dabei besteht ein gewisses Risiko die Platte zu verkratzen, wenn ein Schmutzkörper zwischen Papier und Chromfolie ist. Wichtig ist dabei immer auch, im anschließenden Arbeitsgang das Tuch der Trockenpresse glattzuziehen, nachdem man sie geschlossen hat, sonst gibt es Muschelbruch.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 01.11.2009 02:59 | nach oben springen

#2

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 01.11.2009 17:26
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Danke, Walter für Deine Anmerkungen.
Mit so einem sehr glatten geschliffenem Float-Glas habe ich meine Versuche gemacht.
Der alle erste Versuch war halbwegs in Ordnung. Danach ging nichts mehr. Wenn ich an die häusliche Spülmaschine denke, dann komme ich auf die Gläser, die so angelaufen sind. Dan sehe ich die, durch was auch immer, zerstörte Oberfläche.
Ich steige in die Versucher erst wieder dann ein, wenn ich herausbekomme, wie ich Glas mechanisch polieren kann. Also glatter als Schleifen.
Gruß Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#3

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 02.11.2009 02:50
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Hast Du schon mal die Methode probiert, das Papier nicht anzuquetschen, sondern einfach nur auf der gut benetzten Glasplatte so lange hin- und herzuschieben, bis keine Blasen mehr zwischen Platte und Papier sind (kann man ja von unten kontrollieren)und dann die Platte einfach mit dem Papier nach oben eine Weile liegen zu lassen? Bei mir hat das selbst mit Bilderrahmenglas halbwegs funktioniert. Dieses akkurate Festquetschen braucht man meines Erachtens eigentlich nur bei den Chromplatten, u.a. weil alle Kontrollmöglichkeiten fehlen und die Hitze vorzeitige Ablösungen begünstigt.

"Polieren" - eigentlich ist es ja kein Polieren - würde ich mit Talkum Puder und Spiritus bzw. Glasreiniger und demineralisiertem Wasser.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 02.11.2009 02:51 | nach oben springen

#4

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 02.11.2009 03:19
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Walter.

> "Polieren" - eigentlich ist es ja kein Polieren - würde ich mit Talkum Puder und Spiritus bzw.
> Glasreiniger und demineralisiertem Wasser.

Alles Versucht. Selbst 24h einweichen in Enzymhaltigen Waschmittel und dann bei 80°C reinigen, NO!
Auch mit nur "Aufschwimmen lassen" hatte ich keinen Erfolg.
Bei EBAY kann man bei einem Vertreiber verschiedene Poliermittel speziell für Glas kaufen.
Den habe ich mal heute Morgen mit Fragen bombadiert. Mal sehen was er schreibt.
Gruß Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#5

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 02.11.2009 03:43
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Seltsam, ich habe die Probleme nicht gehabt. Allerdings habe ich meine Versuche mit Glas auch nicht mit frisch entwickelten, sondern mit bestehenden Abzügen gemacht, die naturgemäß nur ein paar Minuten im Wasser waren. Vielleicht liegt es daran.


gut Licht
Walter
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#6

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 06.11.2009 08:58
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Noch mal zum "Polieren" - Fritsche empfiehlt für Glasplatten neben 5%iger heißer Sodalösung zur Entfernung von diversen Rückständen auch noch Essigsäure und Sidol zum Polieren der Glasplatten. Gemeint dürfte aber das Sidol aus DDR-Produktion (VEB Wittol Wittenberg oder so ähnlich)sein, inwiefern sich das von der aktuellen Henkel-Rezeptur unterscheidet, kann ich Dir nicht sagen.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 06.11.2009 09:03 | nach oben springen

#7

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 09.11.2009 10:21
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

So jetzt weiß ich, womit Du polieren kannst - Zahnpasta, falls es mit Deiner Marke nicht klappt kann ich auch noch das genaue Fabrikat nachsehen. Einfach einen Klecks auf die Platte und mit Toilettenpapier oder etwas anderem polieren und schon ist es gut, es funktioniert bei mir auch mit dem billigsten Bilderrahmenglas. Das Polieren der Glasplatten mit Spiritus würde ich übrigens bleibenlassen, das führt scheinbar bei manchen Glassorten zum Klebenbleibben. Reinigung mit Seifenwasser und Viskoseschwamm sowie gelegentliche Zahnpastakur reicht völlig.

Im übrigen werde ich mich mal daran machen, einen Artikel mit Schritt-für-Schritt-Anleitung über die Baryttrocknung in verschiedenen Varianten zu schreiben, nachdem ich mich in den letzten Monaten und Wochen da experimentell semiwissenschaftlich vorgearbeitet habe, es gibt da Faktoren und Unterschiede von Material für Material, die hält man gar nicht für möglich, selbst wenn man jahrzehntelange Erfahrungen hat. Das werden wohl mindestens 10 Maschinenseiten.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 09.11.2009 10:26 | nach oben springen

#8

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 09.11.2009 17:32
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Walter.
Danke für Deine Anmerkungen zur Baryttrocknung.
Trocknung über allseitige aussen liegende Holz-Klemmleisten auf Stinknormalen Regalbrettern ist bei mir Stand der Dinge und klappt 100%tig plan ohne Ausschuss. Die Klemmleistenflächen, die mit dem Baryt in Verbindung kommen, habe ich mit breitem Tesafilm abgeklebt. Somit ist das Festkleben der Klemmleisten nach der Trocknung jetzt auch nur minimal. Die Klemmleisten haben ca alle 10cm ein Bohrloch. Über 5mm Niroschrauben werden die Leisten auf dem Grundplatte verschraubt. Auf der Muttern-Seite klemmen die Muttern sich automatisch in dem angesenktem Bogloch fest. Der Imbus-Schlüssel ist in Schraubendreher-Form. Klappt alles perfekt.
Gruß Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#9

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 09.11.2009 18:02
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Walter.
Den Namen der Zahnpasta hätte ich ganz gerne.
In der Zahnpasta ist oft auch Schlämmkreide als Putzmittel.
Dazu weiss ich, das man früher die Mattscheiben der Falter-Kameras mit Schlemmkreide einschlämmte, reinigte und über nacht trocknete. Das ganze dann morgens mit klarem Wasser abspülte. Die Mattscheibe war sauber und fettfrei.
Das könnte auch in Deine Richtung Zahnpassta passen.
Gruß Berthold
PS.
PEine pssende Antwort von meinem EBAY-Schleifmittelvertreiber habe ich auch nicht bekommen. Nur eine knappe Antwort, das es eventuell mit dem Poliersett klappen könnte. Keine Hintergrundinformation über erreichbare Qualität/Körnung/wann einzusetzen, usw.


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#10

RE: Hochglanz heiß und kalt

in Dunkelkammer & Entwicklung 10.11.2009 01:54
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Hier einen Link, da steht alles.

http://www.lacalut.de/products/products_detail.php?id=1

In Antwort auf:
Dazu weiss ich, das man früher die Mattscheiben der Falter-Kameras mit Schlemmkreide einschlämmte, reinigte und über nacht trocknete. Das ganze dann morgens mit klarem Wasser abspülte. Die Mattscheibe war sauber und fettfrei.



Das könnte sein, mir sticht auf der Homepage vor allem das Aluminiumfluorid ins Auge, vielleicht ist es ja das.

Deine Trocknungsmethode kann ich mir so in etwa vorstellen, wenn es funktioniert, dann ist das natürlich auch eine Möglichkeit, wenn ich es richtig verstehe, klemmst Du den Rand des Papiers ein, damit sich das Papier nicht werfen kann. Wird bei Dir so eine Art Textilklebeband/Leukoplast verwendet oder klarer Tesafilm? Ich könnte mir nämlich vorstellen, daß klares Klebeband So eine Art Hochglanz fabriziert.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 10.11.2009 02:05 | nach oben springen






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