Zitat
Schon krass, dass eine "Fabrik"-neue Büscher-Presse für moderne Papiere nicht geeignet ist...
Ich weiß nicht wie stramm die ausgeliefert wird, aber da es keine Nachspannmöglichkeit gibt... Ich halte mich da aber lieber zurück, was ich von den aktuellen Büscherpressen halte. Es gibt jedenfalls neben den doppelseitigen Amateur-Pressen von Büscher auch noch einseitige Profimodelle. Generell ist ein Großteil der Pressen (nicht auf Büscher speziell bezogen) mit "Fehlkonstruktion" nicht schlecht umschrieben. Die gehen dann gerade so mit den Papieren aus Agfas besten Zeiten, aber schon bei ORWO beginnt es problematisch zu werden. Wobei: Fairerweise ist zu sagen, daß es schon geht, man muß sich dann aber mit Trockenzeiten jenseits der 15 Minuten und Temperaturen von 50° und weniger abfinden.
Zitat
Mit dem erhöhten Druck entfallen dann wirklich die ganzen Behandlungen mit Ochsengalle, Glanzol, Superflat und Co.?
Ich würde trotzdem ein wenig Netzmittel oder auch Gelatinezusatz nehmen, weil das den Prozeß sicherer macht. Es ist nämlich durch die Eigenschaft des Wassers sich zusammenzuziehen nicht ganz einfach absolut sauber aufzuquetschen. Auch früher war es üblich Netzmittel zu benutzen, wenn man das nicht gerade berufsmäßig jeden Tag machte. Mein stippchenfreier Hochglanz mit reinem Leitungswasser dürfte sich schon an der Grenze des Machbaren bewegen und nur mit etwas Übung zu erreichen sein. Netzmittel soll dabei nach Möglichkeit nicht durch Spülmittel ersetzt werden, das neigt so sehr zur Schaumbildung, daß man trotz grundsätzlicher Arbeitserleichterung fast schon garantiert vereinzelte Stippchen bekommt. Gelatinezusatz ist gleich Netz- und "Klebemittel" in einem (etwa 5-10 Gramm Gelatine und 150 ccm Spiritus in einem Liter Wasser lösen -> Spiritus verhütet Fäulnis), hat aber den Nachteil, daß es schnell verdreckt und dann den Hochglanz auf andere Weise verdirbt, wenn man nicht vorsorgt, indem man die Schale abdeckt und ab und an filtert und außerdem muß man die Chromfolie nach jedem Durchgang sehr sauber putzen, um Flecken auf den Abzügen zu vermeiden. Hat also alles seine Vor- und Nachteile. Ochsengalle ist ein idealer Kompromiß zwischen synthetischem Netzmittel und Gelatine, da es als organisches Material die Haftung leicht verbessert, schäumt aber eine Idee mehr als die modernen Netzmittel.
Die Temperatur ist immer von der Härtung und dem Anpreßdruck abhängig, bei Formaldehydhärtung und festem Anpreßdruck kann man eigentlich fast die volle Temperatur nutzen, wobei in gewisser Weise auch die Gleichmäßigkeit der Heizung und Güte der Chromfolie hineinspielt (irgendwann gibt es nämlich Muschelbruch, da der Anpreßdruck ja nicht unendlich gesteigert werden kann. Bei Kalialaun als Härtemittel sollte man aber nicht über 65-70 Grad gehen, weil bei Temperaturen darüber nach meiner Beobachtung die Härtung wieder verloren geht.
PS: Im Hinblick auf Muschelbruch gab es übrigens mal Agfa Flexogloß, das machte den Träger flexibel und half damit Muschelbruch zu vermeiden, was da drin war, ist mir leider nicht bekannt.
Und noch zur korrekten Aufquetschtechnik: Gemächlich und mit wenig Druck aus der Mitte heraus das Papier von Wellungen etc. befreien, dann etwas fester andrücken und eventuell wie beim Tapezieren mit dem blockierten Rollenquetscher über das Papier streichen, gut machen sich auch Gummitücher (z.B. Vileda), die man über das Papier legt, weil sie dabei helfen zu vermeiden, daß die Ecken abheben.