Über die gibt es hier nichts, obwohl die doch recht verbreitet ist. Na, dann will ich mal.
Vorgeschichte:
6x6 hat mich schon immer gereizt. Vor etlichen - können 40 sein - Jahren habe ich mir bei Foto Quelle eine Revue C3 gekauft. Als ich die auspackte, stand dann allerdings Mamiya auf der Kamera. Die habe ich sehr gern aber viel zu wenig benutzt, weil die einfach zu schwer ist, um rumgeschleppt zu werden. Also wurde sie irgendwann "versilbert".
Dann bekam ich vor ein paar Jahren eine Yashica Mat geliehen. Klein und handlich konnte sie wirklich häufig dabei sein. Spaß hatte ich trotzdem nicht an ihr, weil der Filmtransport nicht richtig funktionierte und weil sie - für mich ein absolutes ko-Kriterium - ohne Gegenlichtblende sehr streulichtempfindlich ist.
In letzter Zeit habe ich dann etwas mit der Falter Franka Solida fotografiert. Die Bildqualität ist mit E-Messer nicht zu verachten, aber dieses Film-Format mit diesem Kompaktkamera-Sucher paßt irgendwie nicht zusammen - aber so war das nun mal in den 50ern.
und jetzt:
wie ich schon an anderer Stelle schrieb, konnte ich am Samstag auf dem Flohmarkt nicht wiederstehen und habe trotz lauten Protestgebrülls meines Portemonais eine Yashica Mat-124 G erstanden. Wenn nicht eine Gegenlichtblende dabei gewesen wäre, hätte ich sicher die Finger davon gelassen. Zusätzlich gereizt hat mich, daß auch noch ein Tele-Vorsatzobjektiv-Set dabei war. Die Sachen haben zwar arge Gebrauchsspuren, machten aber einen guten Eindruck. Nur der Belichtungsmesser soll nicht funktionieren. 75 Euro hielt ich für einen angemessenen Preis. Inzwischen weiß ich, daß es allein wegen des Teles ein Schnäppchen war.
Die Kamera hat ein vergütetes 4-linsiges Aufnahmeobjektiv 3,5/80 vom Tessar-Typ und ein 3-linsiges Sucherobjektiv mit der Lichtstärke 2,8. Durch die höhere Lichtstärke ist nicht nur der Sucher heller, sondern es erleichtert durch die geringere Tiefenschärfe auch die Scharfstellung.
Die Mattscheibe hat keine Einstellhilfe, aber es läßt sich eine 3-fach Lupe ausklappen, mit der man auch noch das ganz Bildfeld sehen kann. Sehr hilfreich finde ich die Gitterlinien, weil es durch das seitenverkehrte Bild nicht immer so ganz einfach ist, die Kamera gerade auszurichten. Warum die Gitterlinien so unterschiedliche Abstände von oberen/unteren und seitlichen Rändern haben, weiß ich noch nicht.
Der Lichtschacht läßt sich zu einem sogenannten Sportsucher mit horizontalem Einblick umfunktionieren, indem man einen Ausschnitt vorne nach innen wegklappt. Natürlich hat man dann keine Mattscheibenkontrolle.
Der Verschluß ist ein Copal-SV mit Zeiten von 1-1/500 sec + B, also „richtige“ Verschlußzeiten, die auch der Belichtungsmesser anzeigt, anders als bei der Seagull. Die Verschlußzeiten werden wie die Blende (3,5-32) mit sanft gehenden Rändelrädchen verstellt und werden in einem von oben sichtbaren Fensterchen angezeigt.
Filmeinlegen und Filmtransport gehen mit der Kurbel sehr sauber und leicht. Natürlich hat die Kamera Doppelbelichtungssperre und ein Bildzählwerk. Neben den 120er Filmen für 12 Aufnahmen lassen sich auch 220er für 24 Aufnahmen verwenden. Das gibt nur einen Sinn, wenn man sich den Filmwechsel ersparen will, denn bei allen Anbietern sind zwei 120er Filme billiger als ein 220er (z.T. 20%). Im ebenfalls sehr sauber gehenden Entfernungsknopf ist eine Merkscheibe für die Art des Films bzw. „leer“ integriert. Genau das Richtige für einen alten Herrn wie mich.
Über den Belichtungsmesser kann ich (noch) nichts sagen, weil er nicht funktioniert. Der braucht eigentlich eine Quecki, aber das soll man nicht so eng sehen, wie man im Netz liest. Er rührt sich aber auch mit einer Alkali nicht. Die Ursache kann auch sein, daß der Fühler am Lichtschacht nicht richtig sitzt. Das war bei der Kamera, die ich mal hatte auch so ein Problemchen. Mal sehen, was mein Reparierer sagt, wenn er aus seinem Sommerdomizil in Spanien zurück ist. Der Belichtungsmesser wird normalerweise eingeschaltet, wenn man den Lichtschacht aufklappt. Das ist einerseits praktisch, birgt andererseits aber auch eine Gefahr. Wenn man mit aufgeklapptem Lichtschacht rumläuft, erschöpft sich nicht nur die Batterie schneller, sondern man kann die Cds-Zellen durch ständiges sehr helles Licht (Blick in die Sonne) auch dauerhaft schädigen. Er läßt sich von 25-400 ASA einstellen und der Abgleich erfolgt, indem 2 Zeiger durch Verstellung der Blende oder der Verschlußzeit zur Deckung gebracht werden, ist also gekuppelt.
Ansonsten gibt es noch eine Auslösersperre, einen „kalten“ Zubehörschuh, einen Standardblitzstecker und einen Selbstauslöser.
Soweit erst mal zum Handling, das wirklich ein Vergnügen ist.
Der Testfilm erfreute mich mit gleichmäßiger Belichtung von f4 + 1/500 bis f32 + 1/8. Die Testbilder habe ich ohne Stativ gemacht, und bei 1/30 ist schon ein leichter horizontaler Wackler zu erkennen. Für die Bildqualität habe ich noch keinen Vergleich, aber sie steigt bis f8 sichtbar an.Darüber hinaus konnte ich keine Veränderung erkennen (mit 10-fach Lupe). Ich habe auch nicht den Eindruck, daß ich schon bei 5,6 mit einem deutlichen Randabfall rechnen muß. Ich habe inzwischen aber auch ein paar Testbilder gemacht, die ich dann mit anderen Aufnahmen vergleichen kann. Bei dem 3-Linser der Franka hatte ich aber schon festgestellt, daß sie selbst ohne Abblendung mit sehr guten KB Objektiven mithalten kann bis auf den Schärfeabfall zum Rand. Wie die Streulichtempfindlichkeit mit Sonnenblende aussieht werde ich leider erst sehen, wenn ich meinen 2. Film zurückbekomme. Das ist ein Diafilm, und das dauert inzwischen ja mindestens 1 Woche.
Von dem Televorsatz (1,5x also 75mm) habe ich eigentlich nicht viel erwartet, aber er schlägt sich doch erstaunlich gut. Der Qualitätsanstieg bis f8 fällt noch deutlicher aus als ohne, und wenn das Filmkorn nicht wäre, dann wäre eine Ausschnittvergrößerung wohl besser als das Tele bei Blende 3,5. Vielleicht ist das für Porträtaufnahmen aber garnicht so verkehrt. Wenn meine Modelsuche erfolgreich war, werde ich ja sehen. Heute mußte ich sie leider verschieben, weil pünktlich zu meinem Feierabend Dauerregen eingesetzt hat. Einen Haken hat die Sache mit dem Vorsatz. Es wird nicht nur die Brennweite um den Faktor 1,5 verlängert sondern auch der Mindestaufnahmeabstand auf ca. 1,75m, weil der Objektivauszug ja gleich bleibt. Ohne Vorsatz erreicht man im Nahbereich deshalb einen deutlich größeren Abbildungsmaßstab. Wegen des großen Durchmessers des Aufnahmeobjektivs kann man eine Gegenlichtblende nicht verwenden. Sie würde vor das Sucherobjektiv ragen.
Es gibt auch noch einen Weitwinkelvorsatz (0,75x also 35mm), für den man in der Bucht mindestens 70 Euro hinlegen muß. Ich könnte mir vorstellen, daß es da größere Probleme mit dem Randabfall gibt als bei einem Tele.
So, denn bis zum Eintreffen meiner Dias.
Gruß
Jochen