#1

Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 11.02.2015 09:18
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Speziell für Cropkameras und spiegellose Systemkameras ist es nicht gerade leicht, ein Extremweitwinkel zu bekommen, das nicht entweder ein Gewichts- oder ein Preismonster ist und meist sogar beides. Da ich eigentlich auch immer ein Fisheye zu meinem Objektivpark zählte, habe ich mich damit mal beschäftigt. Grundsätzlich haben Fisheyeobjektive ja den großen Vorteil, daß sie Körper am Bildrand nicht verzerren. Eine Kugel bleibt eine Kugel und aus einem schlanken Girl wird keine 2-Zentner-Dame. So habe ich das unter beengten VErhältnissen - überwiegend in Kneipen - auch immer benutzt. Ein Problem und oft unschön sind die gebogenen Raumecken, Fenster, die zu Butzenscheiben werden usw.

Es gibt ja auch die Möglichkeit eine Fisheyeaufnahme per Software zu defishen. Das wird häufig durch Auseinanderziehen der Ecken erreicht, was durch das Strecken der Bildpunkte aber zu starken Verlusten der Bildqualität führt und auch wieder zu verzerrten Körpern am Bildrand.

Panoramafotografen haben aber auch das Problem mit Biegungen. Deshalb kann man mit diversen Panoramaprogrammen die Bildprojektion beeinflussen. Ich bin dabei auf das kostenlose Programm Hugin gestoßen (hat wohl was mit den berühmten "Panoramatools" zu tuen). Auch Fisheyebilder können damit verändert werden. Das Programm bietet dabei für runde und für Vollformatfisheyes Möglichkeiten. Die Besonderheit ist, daß die Bilder zunächst so ver- bzw. entzerrt werden, daß die Senkrechten im Bild gerade sind. Horizontale gebogene Linien kann man zusätzlich manuell korrigieren, was aber selten erforderlich ist, weil sich das sehr viel weniger störend bemerkbar macht. Ich finde das genial und liefere mal ein paar Beispiele auf die Schnelle.

Hier war der Horizont stark gebogen, weil ich die Kamera nach unten geneigt habe.

ok, jetzt ist der Zaun gebogen, was ihr aber nicht wüßtet, wenn ich nicht sagen würde, daß er eigentlich gerade ist.



Da fällt eigentlich nur die Biegung des Geländers auf.

Jetzt bitte nicht so genau schauen. Ich hätte vorher aufräumen sollen


Habt ihr alle auf den ersten Blick die gebogene Deckenverkleidung gesehen? Ich tippe, daß ein normaler Betrachte, der nicht weiß, worum es geht, da garnicht drauf achtet.

Ich schätze, daß ich mit dieser Kombi - Samyang MFT-Fisheye 3,5/7,5mm + Hugin - 2 Fliegen mit einer Klappe schlage: Fisheye + Extremweitwinkel. Ich bin zufrieden.

Diese Woche werde ich das Objektiv mal in den Kneipen einsetzen und hier noch was zeigen.


Gruß
Jochen
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analog: Olympus OM-2 und OM-4, Kodak Retina IIIC, IIIS und Retina Reflex S; digital: Pansonic Lumix GH3 und GF6
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#2

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 12.02.2015 03:19
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

nachtragen will ich noch 2 Links, die das defishen erklären

http://www.dpreview.com/forums/thread/3373069

und hier alle Projektionsmethoden, die möglich sind
http://www.ueliraz.ch/2013/fisheye-entzerrung.htm


Gruß
Jochen
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#3

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 12.02.2015 04:47
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge

Hi,

danke für den tollen Bericht, ist sehr interessant und werde ich auch mal weiter verfolgen. Aber eine Anmerkung sei mir erlaubt:

Zitat von bilderknipser im Beitrag #1
Speziell für Cropkameras und spiegellose Systemkameras ist es nicht gerade leicht, ein Extremweitwinkel zu bekommen...


Ich weiß nicht, wie es für die spiegellosen Systeme aussieht, aber gerade für ASP-C gibt es rund um Canon und Drittanbieter (Tamron, Sigma, Tokina, Zeiss, ...) nicht wenige WW-Objektive, die stark nach unten reichen - ob es nun ein echtes Fisheye ist oder nicht. Aber besonders fürs Vollformat ist es da echt schwierig, ich wage zu behaupten ungleich schwieriger, ein geeignetes Objektiv zu bekommen. Im bezahlbaren Rahmen gibt es ein, maximal zwei Modelle von Walimex mit wirklich guter Abbildungsleistung, aber manuellem Fokus ... und das war's praktisch. Canon hat vor wenigen Tagen ein Ultra-Weitwinkelzoom fürs VF angekündigt ... ist aber aus der L-Serie, Preis wird auf 2.990 EUR fixiert, also auch nix für nur normal Betuchte und Hobbyanwender ...




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Meine Homepage: http://www.glamorous-pictures.de - Galerie, Erfahrungsberichte, Tutorials und Fotoliteratur


Meine Handwerkszeuge: EOS 5D, EOS 5D MK II, EF 24-105/4 L IS USM, EF 70-200/2.8 L USM, EF 50/1.8 II, Cosina AF 19-35/3.5-4.5 Digital, Sigma 12-24 F4.5-5.6 II DG HSM; Canon PowerShot SX50 HS; Yongnuo YN-568 EX II, YN-622C; Panasonic Lumix DMC-G6, Lumix Vario 14-42/3.5-5.6 asph./Mega O.I.S., LUMIX G VARIO 45-150mm / F4.0-5.6 ASPH MEGA O.I.S.
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#4

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 12.02.2015 06:32
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Sven, ich habe den Markt nicht geprüft, aber ich hatte für meine Vollformatkameras - die mit dem 36er Chip - immer Weiteinkelfestbrennweiten um oder unter 20mm. Und da hatte ich immer Auswahl nicht nur bei den teuren Originalobjektiven. Wie das bei DSLRs aussieht weiß ich nicht, aber ich meine, daß das auch weitgehend auf Zooms beschränkt ist und daß da ein 82er Filtergewinde nicht die Ausnahme ist. Das ist für mich auf jeden Fall dann ein Monsterobjektiv.
Bei den Systemkameras sind sie die Ausnahme erst recht bei Drittanbietern. Für MFT gibt es einzig und allein das Voigtländer 0,95!!!/10,5 wobei adäquat 21 mm ja auch noch nicht so der Brüller ist, für ein 4-stelliges Sümmchen. Die Originalobjektive fangen erst bei 24 (KB-äquivalent) an oder eben ein Zoom entweder das Olympus 9-18 für um die 600 oder das Lumix für den doppelten Preis.

Das Samyang hat 250 gekostet und die haben auch noch mehr im Programm.


Gruß
Jochen
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#5

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 01:18
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

die ersten Bilder vom Straßenkarneval und einige aus der Kneipe sind alle mit dem Fisheye entstanden und die Senkrechten weitgehend defished. Bei den Horizontalen habe ich nur sehr störende Biegungen begradigt. Der horizontale Bildwinkel von 150-160° bleibt dabei erhalten, ohne daß die Menschen am Bildrand verzerrt werden wie bei normalen Extremweitwinkeln.
http://www.pbase.com/buschkoeln/hermeskeiler
http://www.pbase.com/buschkoeln/krieler

Falls jemand sich mit dem Programm Hugin auskennt: ich könnte noch Hilfestellung brauchen, weil manche Sachen etwas umständlich sind.

Und keine Angst, ich bekomme mit der jungen Dame auf dem 2. Bild keinen Ärger. Die Billardkugel ist mein zukünftiger Enkel


Gruß
Jochen
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#6

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 01:34
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge

Zitat von bilderknipser im Beitrag #4
Sven, ich habe den Markt nicht geprüft, aber ich hatte für meine Vollformatkameras - die mit dem 36er Chip - immer Weiteinkelfestbrennweiten um oder unter 20mm.


Da hast du mich ein wenig missverstanden Ich nutze auch ein recht günstig gekauftes Cosina 19-35 mm bis heute, und die Qualität überrascht mich in Hinblick auf den Preis immer wieder. Unter 20 mm zu kommen ist kein Kunststück. Nein, ich meinte noch weit darunter. Es gibt noch das alte, analog gerechnete Sigma 15-30 (bei dem ich mir aber nicht sicher wäre, ob es mit der Auflösung einer modernen DSLR noch mitkommt); soweit, so gut.
Will man aber noch weiter runter, dann wird die Luft sofort dünn. Es gibt noch von Walimex eine Festbrennweite mit (lass mich nicht lügen, ich schau es grad nicht nach) 11 oder 12 mm, die in enger Architektur (Innenaufnahmen) durchaus Sinn macht. Aber die Walimex-Objektive haben, trotz guter Kritiken bei der Bildqualität, keinen AF.
Mit AF und für VF wirklich noch tiefer als das o.g. Sigma geht also nur das neue Canon EF 11-24 f/4 L USM, aber das kostet knapp 3.000 EUR und dürfte (außer für gelangweilte Hochverdiener) nichts für Amateur-Knipser sein.
Auch wäre mir auf Anhieb - außer Walimex - kein echtes Fisheye für VF bekannt (geschweige denn, wenn es noch bezahlbar sein soll *hüstel*)




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#7

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 01:51
von cansoni • Mitglied | 418 Beiträge

Zitat von Grisu im Beitrag #3
Hi,

danke für den tollen Bericht, ist sehr interessant und werde ich auch mal weiter verfolgen. Aber eine Anmerkung sei mir erlaubt:

Zitat von bilderknipser im Beitrag #1
Speziell für Cropkameras und spiegellose Systemkameras ist es nicht gerade leicht, ein Extremweitwinkel zu bekommen...


Ich weiß nicht, wie es für die spiegellosen Systeme aussieht, aber gerade für ASP-C gibt es rund um Canon und Drittanbieter (Tamron, Sigma, Tokina, Zeiss, ...) nicht wenige WW-Objektive, die stark nach unten reichen - ob es nun ein echtes Fisheye ist oder nicht. Aber besonders fürs Vollformat ist es da echt schwierig, ich wage zu behaupten ungleich schwieriger, ein geeignetes Objektiv zu bekommen. Im bezahlbaren Rahmen gibt es ein, maximal zwei Modelle von Walimex mit wirklich guter Abbildungsleistung, aber manuellem Fokus ... und das war's praktisch. Canon hat vor wenigen Tagen ein Ultra-Weitwinkelzoom fürs VF angekündigt ... ist aber aus der L-Serie, Preis wird auf 2.990 EUR fixiert, also auch nix für nur normal Betuchte und Hobbyanwender ...


Ich nutze das Fisheye Canon EF 8-15 L an meiner Vollformat KB-Systemkamera für 360°-Sachen. Da reichen mir 4 Aufnahmen bei 12mm am Novoflex-Slant-Adapter. Ich nehme dazu aus Gewichtsgründen ein Einbein.

Für Flat: Ansonsten wären die 15mm auch möglich, müssen aber mit PTGui Pro noch entzerrt werden.

Hier mal ein 360° Flash-Test vom letzten Jahr (aus einer Serie) am Bodensee/See-Rhein


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#8

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 06:51
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Jetzt sind wir ja leider ganz vom Thema abgekommen. Es geht hier ja um Erfahrungsberichte mit der Ausrüstung, worunter ich auch die EDV-Ausrüstung verstehe. Hier also um ein Programm, mit dem man per Fisheye zu einem Extremweitwinkel kommt, das meiner meinung einige Vorteile gegenüber den üblichen Extremweitwinkeln hat. Es geht mir nicht um einen billigen Softwareersatz für teure Extremweitwinkel. Insbesonders für Personenaufnahmen unter beengten Verhältnissen sind Extremweitwinkel überhaupt nicht geeignet, weil alle Körper zum Bildrand zu stark gedehnt werden.
Ich habe mal 3 Varianten untereinandergestellt:

Original


nur Senkrechte defished

(sorry, habe beim Verkleinern vergessen nachzuschärfen)

rechtwinklig defished; so würde es mit einem Extremweitwinkel aussehen. Meine Meinung: unbrauchbar.


Die Bilder haben unterschiedliche Seitenverhältnisse, weil Fisheyes in der Breite stärker verzerren als in der Höhe. Der horizontale Bildwinkel ist bei allen 3 Bildern 160°, der vertikale 100°. Wenn man bei dem Originalformat 3:4 bleiben will, dann muß man beim letzten Bild sehr viel an den Seiten wegschneiden. Es wäre aber immer noch ein Objektiv an Vollformat bzw. KB von 10mm Brennweite für den verbleibenden Bildwinkel nötig. Gibt es das? Das ist also noch ein Vorteil des Fisheye.


Gruß
Jochen
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zuletzt bearbeitet 15.02.2015 06:56 | nach oben springen

#9

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 12:05
von HenningH • Mitglied | 1.216 Beiträge

Jochen, hältst Du die beiden anderen Bilder denn für brauchbar?

Ich bin der Meinung, dass sich Objektive dieser Brennweiten (egal, ob Superweitwinkel oder Fisheye) nicht für Personenaufnahmen eignen. Unsere Lokalpresse versucht es zwar täglich aufs Neue, aber die Ergebnisse sind einfach nur grausig...


_____
Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.
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#10

RE: Extremweitwinkel

in Erfahrungsberichte 15.02.2015 13:13
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Ja, das 2. Bild halte ich für 100% brauchbar. Die Menschen werden sehr natürlich wiedergegeben. Der Raum und der Tisch im Vordergrund zwar weniger, aber die sind dabei ja auch völlig unwichtig. Etwas irritierend kann bei dem Beispiel natürlich sein, daß die Theke tatsächlich gekrümmt ist - nicht nur auf dem Bild. Auf dem 3. Bild ist der Raum und der Tisch (na ja) ok, aber dafür sind die Personen links und rechts völlig verzerrt. Das ist für rechtwinklige/flächentreue Korrektion aber ganz normal. Das erste Bild ist nur zur Dokumentation beigefügt, weil das das Ausgangsbild der beiden anderen ist. Du mußt dir klar machen, daß ich praktisch zwischen den Personen links und rechts stand und nicht aus ein paar Meter Abstand fotografiert habe. Dann hätte ich auf die Straße gehen müssen. Wenn ich Platz habe, dann kann ich mit jedem anderen Objektiv fotografieren und brauche die Software nicht. Allerdings hätte ich mit einem 50er schon fast auf die andere Straßenseite gehen müssen. Mit einem 28er wären die Personen links und rechts schon nicht mehr natürlich wiedergegeben.


Gruß
Jochen
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zuletzt bearbeitet 15.02.2015 13:15 | nach oben springen






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