#1

CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 22.01.2014 18:15
von Daniel • Mitglied | 2.258 Beiträge

Hallo zusammen!

Wenn man Wein-Zellen benutzt, einen Haufen Gerümpel hat und sich nicht die Kamera- oder Belideckel durch häufiges Öffnen und Schließen, um die Wein-Zelle einzulegen oder zu entnehmen, durch mechanische Abnutzung ruinieren möchte, kann es schon sehr ins Geld gehen, mehrere Wein-Zellen mit einer Maximallebensdauer von 6-12 Monaten "angebrochen" zu halten.

Die Alternative wäre die Verwendung von Silberoxidzellen und beim Filmwechsel ggf. eine ISO-Anpassung, wobei ich aber denke, daß je nach Bautyp der Widerstandsbrücke oder des Drehspulinstruments oder Höhe des Vorwiderstands unterschiedliche ISO-Anpassungen zu tätigen sind, wenn man sie einmalig eingemessen hat.

(Die Optimallösung, der Umbau oder das Eichen eines CdS-Messers auf 1,55 V sei hier mal außen vor.)

Die Wein-Zelle ist unproblematischer, geht aber linear zur Anzahl der Geräte ins Geld. Die ISO-Anpassung ist kostenmäßig günstiger, bedarf aber einer gewissen Disziplin, wenn der Film von ISO a nach ISO b gewechselt wird, und Irrtümer sind leichter möglich.

Wer hat bei Verwendung mehrerer Kameras oder Belichtungsmesser welche Erfahrungen gemacht?

Daniel


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#2

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 22.01.2014 21:58
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Die Alternative ist die Verwendung von Hörgerätebatterien, die das gleiche sind wie die Weincells mit dem Unterschied, daß davon ein 6er-Pack nur 2-4 Euro kostet. Einziges Problem ist aber, daß es die nicht in der Größe der PX13 oder PX625 gibt. Das Batteriefach ist also zu groß und muß mechanisch aufgefüttert werden. Ich nehme einen Ring vom Aquarienschlach 12/16, weil der genau den Außendurchmesser der PX625 hat und den Innendurchmesser der blauen Hörgerätebatterie PR44. Wenn ein Pol seitlich abgegriffen wird, dann braucht man aber einen leitenden Adapter, den man sich aus einer ausgedienten 625 Alkali basteln kann.

Genau das gleiche Problem besteht allerdings, wenn man den Belichtungsmesser neu justieren läßt, weil es nur eine Alkalibatterie mit dem Formfaktor der PX625 gibt, aber bei denen sinkt mit dem GEbrauch die Spanung immer weiter ab, wodurch sie unbrauchbar sind zur Belichtungsmessung ohne Spannungsregulierung. Es muß also eine Silberoxidzelle her, und da kommt nur die SR44 in Frage, die, wie man aus dem Namen schon vermuten kann, die gleiche Größe hat wie die Hörgerätebatterie.

Man kann sich auch mit der Einstellung der ISO helfen, aber das geht nicht bei sehr kritischen Filmen wie z.B. Diafilmen, weil die Abweichung je nach Helligkeit nicht linear ist. Bei Farbnegativfilmen ist das sicher gleichgültig.

Wenn man richtig umbaut, dann muß eine Spannungsregulierung her nicht nur eine Neujustierung, aber das machen leider die wenigsten Werkstätten. In dem Fall kann man auch die Alkali 625 benutzen, aber besonderen Sinn macht das nicht, weil die auch teurer sind als die PR44 oder SR44. Zum Glück haben aber einige Kameras und Belichtungsmesser eine solche Regulierung schon eingebaut. In den Anleitungen steht dann zwar auch immer eine Quecki aber nur deshalb, weil das damals die gängige Batterie war. Man kann auch jede andere verwenden. Hier gibt es nicht nur jede Menge Bastellösungen sondern auch eine wohl ziemlich vollständige Liste mit Fotokram, der wirklich Queckis braucht http://www.buhla.de/Foto/batt-adapt-US.pdf


Gruß
Jochen
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zuletzt bearbeitet 22.01.2014 22:01 | nach oben springen

#3

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 22.01.2014 22:48
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Da ich damals der Urheber an jener Thematik war und auch dort schon von immer der gleichen Sau, die durchs Dorf getrieben wird gesprochen hatte, eben nochmal der Link dazu.
Die teure Weincell muß nicht sein; die Adapterlösungen, egal ob nun metallisch-mechanisch oder mit Schlauch geht genauso.
Man kann auch die Hülle einer 625 verwenden; der eigenen Gesundheit zuliebe sollte man keine Hg-Zelle dazu aufbohren.
Den Beli-Deckel durch zu häufiges Auf-und Zudrehen mechanisch an die Strapaziergrenzen zu bringen halte ich persönlich für abwegig. Sooo oft verwendet man die alten Schätzchen ja dann doch wohl nicht...

VG
Holger


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zuletzt bearbeitet 22.01.2014 22:49 | nach oben springen

#4

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 23.01.2014 00:09
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Zitat von DD_Ihagee im Beitrag #3

Den Beli-Deckel durch zu häufiges Auf-und Zudrehen mechanisch an die Strapaziergrenzen zu bringen halte ich persönlich für abwegig. Sooo oft verwendet man die alten Schätzchen ja dann doch wohl nicht...

Leider gibt es aber auch welche mit Bajonett (aus Plastik bei Gossen) oder mit Plastikklappe. Die Schraubdeckel kann man sicher nicht klein kriegen.

Und wer großes Glück hat, Dich bei Usertreffen zu treffen, der muß sich auch nicht mit dem Aufbohren alter 625er rumschlagen


Gruß
Jochen
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#5

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 23.01.2014 08:22
von Daniel • Mitglied | 2.258 Beiträge

Um ehrlich zu sein, dachte ich auch nie an alkalische Zellen, sondern von Anfang an an die SR44 und ein ganz winziges bißchen Bastelei im Batteriefach und ggf. zusätzlichem Vorwiderstand, geändertem Trimmpoti oder eben ISO-Korrektur.

Etwas problematischer wird die ganze Chose z.B. in der Contaflex BC, wo man nur durch ein seitliches Türchen an das Batteriefach kommt (die Batterie wird durch das Türchen in die Position gedrückt). Hier ist ein Umbau extrem schwierig und die Antwort wird konstruktionsbedingt entweder Wein-Zelle oder PX625U mit ISO-Zähneknirschen und je nach Restkapazität Neueichung sein.

Daniel


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#6

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 26.01.2014 04:33
von Annalog • Mitglied | 182 Beiträge

Hallo Daniel,

mit 625U meinst Du eine Alkali-Knopfzelle? Die hat eine Anfangsspannung von etwa 1,5V, die dann über ihre Lebensdauer kontunuierlich absinkt. D.h. Du hättest kontinuierlich sich ändernde Messergebnisse. Das willst Du doch nicht wirklich. Da wäre besser (und lehrreicher), die Belichtung nach der Sunny-16-Regel nur zu schätzen (im Winter sunny-11).

Und der Unterschied zwischen Weinzell und Hörgerätebatterie ist nur der Preis, glaub's mir.

Vorwiderstand oder ISO-Korrekturen sind auch zwecklos, da eine falsche Batteriespannung die Messung nicht-liniear verändert.
Du brauchst schon eine vorgeschaltete Diode.

Lies wirklich mal >das da< auch Holger hat indirekt schon darauf verwiesen.

Gruß, Manfred


 
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#7

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 26.01.2014 08:12
von Daniel • Mitglied | 2.258 Beiträge

Zitat von Annalog im Beitrag #6
Vorwiderstand oder ISO-Korrekturen sind auch zwecklos, da eine falsche Batteriespannung die Messung nicht-liniear verändert.
Du brauchst schon eine vorgeschaltete Diode.
Stimmt nicht! Es kommt auf die Meßschaltung im Belichtungsmesser an. Es gibt CdS-Belichtungsmesser mit einer Einfachstschaltung und einer Brückenschaltung. Bei der Brückenschaltung hättest Du Recht, da ginge es in der Tat nur mit der berühmten Schottkydiode.

Bei der Einfachschaltung dagegen rinnt der Strom durch Vorwiderstand, LDR und Drehspulinstrument zurück zur Batterie. Das Drehspulinstrument mißt den Strom, der durch LDR und Vorwiderstand fließt. Erhöhst Du die Spannung, mußt Du, um den gleichen Strom zu erhalten, nach dem Ohmschen Gesetz auch den Widerstand erhöhen. Dabei ist alles linear und die für uns wichtige Logarithmik wird durch den Skalenaufdruck im Drehspulinstrument erreicht.

Wie gesagt, bei einer Brückenschaltung ist es anders. Da reicht ein anderer Vorwiderstand tatsächlich nicht aus.

Daniel


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#8

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 26.01.2014 08:59
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Das ist aber jetzt ein ganz neuer Aspekt. Das ganze Netz ist sich einig, daß man bei kameras mit Brückenschaltung statt Queckis auch Alkalis oder Silberoxid nehmen kann, und daß kein Umbau oder auch eine Neujustierung nötig ist. Die unterschiedliche Spannung spielt keine Rolle. Aber mag ja sein, daß zu der Brückenschaltung immer noch so ein Diodenbauteil gehört.

Und daß die Abweichung bei der "normalen" Schaltung immer linear ist bei anderer Spannung, daß liest man auch im ganzen Internet anders. Das kann sein, ist es aber wohl in der Regel nicht.

Da halte ich es mal lieber mit der Demokratie: die Mehrheit siegt allerdings gibt es in der Geschichte ja leider auch Beispiele, wo gerade die Mehrheit nicht falscher liegen konnte.


Gruß
Jochen
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zuletzt bearbeitet 26.01.2014 08:59 | nach oben springen

#9

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 26.01.2014 09:37
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Ja, ich staune auch ein wenig über die Aussage; hatte ich bei meinen damaligen Recherchen etwas anderes gelesen.
Daniel kanns uns ja nochmal erklären

VG
Holger


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#10

RE: CdS: Wein-Zelle oder ISO-Anpassung bei mehreren Kameras/Belis?

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 26.01.2014 13:46
von HenningH • Mitglied | 1.216 Beiträge

Mmm... Das Ohm'sche Gesetz besagt, dass Spannung und Strom proportional sind, also eine doppelte Spannung einen doppelten Strom hervorruft: U ~ I. Der passende Proportionalitätsfaktor ist eben der ohmsche Widerstand R, also U = R * I.
Das Messgerät misst den Strom I = U/R. Der Widerstand hängt nur von der Beleuchtung der CdS-Zelle ab; z. Bsp. (irgendein Datenblatt aus dem Netz gefischt): 10000 Lux -> 12 Ohm, 1000 Lux -> 110 Ohm, 100 Lux, 900 Ohm, 10 Lux -> 9000 Ohm. Daher ist wirklich die Abhängigkeit zwischen Spannung und Strom erstmal linear.
Problematisch wird es, wenn man die Stabilität der Spannungsquelle betrachtet. Die ist in gewissen Bereichen konstant. Es kann aber sein (wie das genau für die verschiedenen Batterie-Typen aussieht, weiß ich ehrlich gesagt nicht), dass die Spannungsquelle nur einen begrenzten Strom liefern kann. Wenn also der Widerstand zu klein wird, muss ein großer Strom fließen, den die Batterie unter Umständen aber nicht liefern kann. Also "bricht die Spannung zusammen", der Strom ist nicht so groß, wie er sein müsste und das Messgerät zeigt etwas anderes an als gewünscht.
Und da hilft eben eine Batterie, die egal, welcher Strom ihr "entnommen" wird, eine konstante Spannung hält. Das gelingt den Quecksilber- und den Zink-Luft-Zellen besser als den Alkali-Zellen.
Bei der Brückenschaltung existiert dieses Problem nicht, da hier nicht eine konkrete Spannung als Vergleichswert dient, sondern das Verhältnis von zwei Widerständen, die einen Spannungsteiler bilden. Dabei spielt die anliegende Spannung keine Rolle, da dieses Verhältnis von ihr unabhängig ist. Und dann ist es egal, ob man 1,2V oder 1,55V zur Speisung nimmt und auch, ob die Spannung bei der einzelnen Messung im erwünschten Bereich bleibt oder auf einen niedrigeren Wert sinkt.


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Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.
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