#1

Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 17.12.2010 08:59
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Nachdem ich nun mehrfach Ärger mit Dukalicht bei der Farbpapierverarbeitung hatte, habe ich mir mal Gedanken zu einer Beseitigung des Problems gemacht.
Ich verarbeite Rollenware und diese muss ich erst zurechtschneiden. Die Rollen mit 30cm Breite sind sehr schwer und unhandlich. Das Problem ist, dass beim Schneiden des Papiers doch oft viele Handgriffe nötig sind und das Papier dadurch zu lange dem Dukalicht ausgesetzt ist. Und das, obwohl man eh schon fast nichts sieht! Wenn ich das Dukalicht noch weiter abdunkle kann ich gleich ganz im dunklen arbeiten - nee Danke.

Viele werden das nun als verrückt betrachten, aber ich baue mir nun ein IR-Nachtsichtgerät!
Die Teile dafür sind schon da:
1.
Videobrille "Zeiss Cinemizer". Diese hat 2 LCD-Farbbildschirme mit je 640x480 Pixel drin. Zwar für den Anschluss eines IPhones gedacht, verfügt die Brille über einen standard Videoeingang. Die Bildqualität ist super.
Die Brille hat einen Li-Ionenakku der ca. 4 Stunden hält und über einen USB-Stecker geladen werden kann. Für jedes Auge gibt es eine Dioptrieneinstellung. Der Tragekomfort ist okay.
Ich habe bereits einen ganzen Spielfilm vom DVD-Player damit angeschaut und kein Kopfweh oder andere Probleme damit bekommen.
Die Brille kostet neu ca. 300,- Euro . Ich habe aber eine für 90,- abgegriffen, weil an dieser ein Kopfhörer defekt ist. Den brauche ich aber für das Projekt eh nicht.
2.
Ein Kameramodul ca. streichholzschachtelgroß von Pollin für 12V. Preis 20,- Euro. Ich habe eine S/W-Kamera gewählt. Die sind wesentlich empfindlicher. Die Kamera hat sogar ein paar kleine IR-LEDs eingebaut, die als Arbeitslampe fungieren.
3.
LED-Infrarotscheinwerfer 940nm für 12V. Als Bausatz bei Pollin 7,- Euro. Davon habe ich mir mal 2 Stück geholt. 940nm liegt weiter vom sichtbaren Bereich weg, als die ebenfalls oft angebotenen 850nm.
Jedes Modul ist mit 48 LEDs bestückt und hat ca. 5 Watt elektrische Leistung.
Das sollte reichen um die Duka auszuleuchten.

Der Plan ist folgender:
In der Mitte der Brille wird die Kamera befestigt. Den Bügel der Brille werde ich später gegen ein elastisches Stirnband tauschen. Dann kann ich die Brille schnell auf die Stirn hochsetzen um Bilder im Hellen zu beurteilen und muss nicht dauernd mit den blöden Plastikbügeln fummeln.
Die Kabel der Brille und der Kamera gehen dann zusammen an eine Gürteltasche. Darin befinden sich die Steuerbox der Brille und der 12V Akku für die Kamera.

Heute habe ich mal einen ersten Versuch gemacht, ob die Komponenten zusammen funktionieren.
Im stockdunklen Wohnzimmer und statt Akkus die Kamera noch an einem Netzteil verkabelt.
Der erste Eindruck: Whow!
Die beiden IR-Scheinwerfer erhellen das Zimmer indirekt an die Decke geleuchtet in etwa so als ob eine Tischlampe 25 Watt angeschaltet ist. Die Kamera dreht dabei die automtische Verstärkung hoch, wodurch es etwas "grieselig" wird. Es ist aber nicht so schlimm.
Halte ich die Kamera vorne in die Mitte der Brille, entspricht der Blickwinkel ziemlich genau dem der Brille und ich kann damit zielsicher hantieren. Das zusätzliche IR-Licht an der Kamera ist wie eine zusätzliche Stirnlampe.
Ein besonders positiver Effekt ist mir noch aufgefallen: Da es mit der Brille nun sehr hell ist, tritt beim Wechsel zum Raumlicht (oder umgekehrt) nicht die lästige Anpassung auf. Man wird also beim Wechsel zum Hellen nicht so geblendet und muss nicht erst Minuten warten, bis man beim Wechsel zum Dunklen wieder einigermaßen im schummrigen Dukalicht etwas sieht.
Ich bin von dem ersten Versuch begeistert. Über die Feiertage werde ich versuchen, das ganze Ding besser tragbar zu machen.
Wenn alles klappt werde ich mal einen billigen Farbfilm vom DM opfern und Filmschnipsel unter voller Bestrahlung in der Schale entwickeln.

Aufpassen muss ich noch wegen der Lichtausstrahlung von der Brille selbst. Da die nicht komplett dicht um die Augen abschließt könnte es sein, dass Licht austritt. Notfalls muss ich das mit schwarzem Schaumstoff abdichten.

Wird fortgesetzt.

Gruß

Joachim


"Rot ist Plus, Schwarz ist Minus und alles mit mehr als 2 Drähten ist Elektronik"
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#2

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 17.12.2010 23:51
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Na die Idee find ich ja mal richtig toll. Da bin ich auch auf die Ergebnisse gespannt. Von der Theorie her müßte ja alles so funktionieren.
Klasse.

VG
Holger


___________________________
Res severa est verum gaudium

Seneca
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#3

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 18.12.2010 08:32
von Hans Wöhl • Mitglied | 1.172 Beiträge

Hallo,

ich habe so etwas schon in der Duka praktziert. Dabei habe ich aber einfach einen Camcorder von Sony mit Nightshot benutzt.
Besonders witzig war es bei den Farbarbeiten bei einem Laborkurs. Ich war der Einzige, der etwas sehen konnte, während die anderen Blindekuh spielten . Ich habe dann auch schon mal Leute dirigiert, z.B. bei der Entwicklung eines Großformates mit Schwam ("da oben links, die Ecke fehlt noch"). Ich habe die Kamera auch schon mal benutzt um einen Film zu teilen und mit zwei verschiedenen Zeiten zu entwickeln.
Nachteil mit der Sony ist, dass eine Hand mit der Kamera belegt ist.
Grüße
Hans


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#4

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 18.12.2010 08:38
von Stephan K. • Mitglied | 999 Beiträge

Die Idee ist absolut genial, will auch haben!

Erzähl bitte weiter, sobald du Ergebnisse hast!

Grüße,
Stephan


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#5

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 18.12.2010 12:14
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Das mit der Nightshot Kamera ist natürlich auch ne gute Idee.

So, ich konnte es natürlich nicht lassen und habe heute einen Versuch in der Duka gemacht.
Die Kamera noch provisorisch mit Tesa an der Brille befestigt und mangels Akku für die Kamera noch am Netzteil verkabelt. Die kleine Steuerbox der Brille steckte ich in die Hosentasche.
Den Kabelsalat werde ich natürlich noch minimieren.

Das Arbeiten damit macht richtig Spaß!
Ich habe zum Test ein Dia auf Filme kopiert. Einen APX100 immer stückchenweise aus der Patrone gezogen und abgeschnitten. Auf die Schnipsel unter dem Vergrößerer dann ein Testdia kopiert.
Dank der Brille ist das ohne große Fummelei quasi "im Hellen" machbar. Man kann die Filme schön ausrichten, schauen dass sie genau aufeinanderliegen und mit Glasplatte fixieren. Entwickelt "nach Sicht" in Eukobrom (hatte keine Lust, extra Filmentwickler anzurühren).
Dann testweise einen Farbnegativfilm (einen Kinofilm von der 200 Meter-Rolle) genommen.
Unter IR kann man ganz gemütlich Teile von der Rolle abschneiden.
Einige Stücke testweise in Eukobrom zu S/W entwickelt und ein paar andere in Farbentwickler getestet.
Alles ohne Probleme.
Danach noch einige Tests mit Farbpapier gemacht.
Die Kamera hat ein leichtes Weitwinkel, weshalb alles etwas weiter weg erscheint (auch die eigenen Hände) aber es geht besser als erwartet. Ich konnte alles gezielt greifen und hatte keinerlei Orientierungsschwierigkeiten. Das Arbeiten mit Zangen und Schalen war super einfach.

Einige lustige Eigenschaften der IR-Beleuchtung:
Silberbilder sind unter IR sichtbar, Farbstoffbilder aber nicht! Daher erscheinen Vorlagen, wie Dias oder Farbnegative fast völlig transparent. Das Dia welches ich umkopierte, erschien beim Plazieren unter dem Vergrößerer komplett durchsichtig. Wenn ein Bild mitten in einem Dia- oder Negativstreifen kopiert werden soll, muss man sich die Position markieren, sonst findet man das Bild nicht.
S/W-Negative dagegen sehen ganz normal aus.
Entwickelt man Farbfilm oder Farbpapier, so sieht man das Bild im Entwickler "kommen". Geht es aber in den Bleichfixierer, dann verschwindet das Bild wieder völlig. Man hat ein völlig weisses Blatt oder einen blanken Film vorliegen. Erst beim Betrachten unter Normallicht ist das Farbbild da.
Angebrauchter Farbentwickler, der normalerweise schwarz wie Kaffee ist, ist unter IR völlig wasserklar. Man kann also die Entwicklung gut beobachten.

Als Nachteilig haben sich die originalen Brillenbügel erwiesen. Zum Filme anschauen lehnt man sich für gewöhnlich zurück. Beim Hantieren in der Duka schaut man aber meist nach unten. Da Brille, Kamera und der Kabelzug doch ein gewisses Gewicht darstellen, zieht es die Brille leicht nach vorne.
Die Bügel schneiden am Ohr ein.
Ich werde in der Endversion die Bügel gegen ein elastisches Kopfband ersetzen.

Als extrem hilfreich hat sich die Zusatzbeleuchtung erwiesen, die in Form von 4 IR-LEDs direkt an der Kamera angebracht ist. Man hat immer ein extra Arbeitslicht, wo man hinschaut.
Da das IR absolut keine negative Wirkung auf das Fotomaterial hat, werde ich einen der IR-Scheinwerfer im Raum direkt über dem Schalenarbeitsplatz anbringen. Indirekte Ausleuchtung ist gut um dem ganzen Raum eine gewisse Grundhelligkeit zu geben. Da wo gearbeitet wird werde ich aber direkt beleuchten. Dann rauscht auch die Kamera nicht so stark.

Meine Natriumdampf-Dukalampe jedenfalls hat ausgedient.

Gruß

Joachim

Angefügte Bilder:
Brille1.JPG
Brille2.JPG
Filmschnipsel.JPG

"Rot ist Plus, Schwarz ist Minus und alles mit mehr als 2 Drähten ist Elektronik"
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#6

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 19.12.2010 01:16
von Holger67 • Mitglied | 713 Beiträge

Glückwunsch Joachim!

Hat ja eigentlich alles so funktioniert, wie Du dir das vorgestellt hast. Was jetzt noch folgt, ist Feintuning.
Die Arbeitserleichterung ist sicher enorm. Wenn die Brille (normal) nur nicht so teuer wäre....

Grüße
Holger


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#7

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 19.12.2010 01:34
von Hans Wöhl • Mitglied | 1.172 Beiträge

Mit etwas Bastelgeschick könnte man auch den Suchermonitor einer alten Videokamera nehmen. Die bekommen normalerweise ein normales Videosignal und haben 5V Betriebsspannung. Das einzige Problem könnte die Pinbelegung sein.

Grüße
Hans


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#8

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 19.12.2010 03:54
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Wenn man eine alte defekte Videokamera nimmt, wo das mechanische Bandlaufwerk im Eimer ist, kann man die Sucherleitungen im eingeschalteten Zustand durchmessen.
Allerdings ist das dann mit sehr viel Bastelaufwand und elektronischem Knowhow verbunden.
Auch wird der Aufbau sicher recht monströs.

Videobrillen gibt es auch günstiger. Ab ca. 100,- Euro z.B. "iTheater". Die haben dann nur weniger Auflösung (320 x 240). Die S/W-Kamera hat aber eh nur 352x288 Pixel Auflösung. So gesehen müsste es zumindest für diese Anwendung reichen.
Die Cinemizer ist sicher Luxusklasse. Aber der Markt für solche Spielzeuge ist erst am Entstehen.
Bald werden die Preise purzeln und die Leistung steigen.
Die Forschung arbeitet schon an Kontaktlinsen, die das Bild drahtlos direkt ins Auge projizieren.
Aber bis das soweit ist, gibt's keine Dukas mehr..

Gruß

Joachim


"Rot ist Plus, Schwarz ist Minus und alles mit mehr als 2 Drähten ist Elektronik"
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#9

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 19.12.2010 14:40
von phosphor • Mitglied | 1.232 Beiträge

Die Forschung arbeitet schon an Kontaktlinsen, die das Bild drahtlos direkt ins Auge projizieren.
Aber bis das soweit ist, gibt's keine Dukas mehr..
[/quote]

Dann bin ich hoffentlich schon gestorben
meint
phosphor


______________________________________________
Die logarithmische Dichte eines Films
ist der dekadische Logarithmus
des reziproken Wertes des Transmissionsgrades
______________________________________________
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#10

RE: Es werde Licht in der Duka

in Dunkelkammer & Entwicklung 20.04.2012 00:27
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo zusammen,

das Thema ist ja schon etwas älter, aber warum deswegen gleich ein neues anfangen...

Ich möchte eigentlich nur meine Version des Nachtsichtgerätes hier vorstellen, das ich mir nach dieser Vorlage zusammengesucht habe. Hauptsächlich brauche ich es, um beispielsweise Super 8 Filme in Kassetten zu konfektionieren - das geht so viel einfacher als im Stockdunkeln. Hier also ein paar Bilder:

Bild 1

Bild 2

Brille und Infrarotkamera steuere ich über ein einziges Netzteil an, habe mir da eine Art Y-Adapter gebastelt.

Bild 3

Die Kamera und eine zusätzliche Lichtquelle werden über eine einschalbare 3er-Steckdose geschaltet, deren Schalterlicht abgedeckt wird. Das zusätzliche IR-Licht steht auf einem Regal:

Bild 4

Dadurch, dass "Stirnteil" und "Augenteil" separat sind und die Augenmuschel rundherum schwarz abgeschirmt werden, kommt auch kein Streulicht nach außen - jedenfalls, wenn die Brille direkt am Gesicht anliegt. Um diesem Kontakt zu verbessern und wirklich jedes Lichtleck auch bei längerem Arbeiten auszuschließen, werde ich an den Seiten des "Augenteils" der Bille noch ein Gummiband anbringen, das die Brille dann wirklich sicher am Kopf hält.

Akkus o.ä. werde ich nicht einsetzen, da ich die Brille meistens am selben Platz verwende und somit keine übergroße Bewegungsfreiheit brauche.


Gruß

Niklas

P.S. Ich habe nur auf die Bilder verlinkt, weil das mit dem Einbinden aus einem externen Webspace nicht geklappt hat (in der Vorschau sieht man nicht das Bild, sondern die eckigen Klammer mit "img"), also musste ich es so machen. Die Verweise können aber problemlos geöffnet werden - es sind keine Viren o.ä. enthalten.


zuletzt bearbeitet 20.04.2012 00:28 | nach oben springen






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