Zitat von RLindner
Digitale Bilder sind mir viel zu überzeichnet, zu scharf, zu detailliert, die Farbübergänge viel zu hart, der gesamte Bildeindruck ist eher unnatürlich.
Was aber eher an den Kameras und den Labors liegt, weniger am Prinzip.
Günstigere Digitalkameras tendieren dazu, zu stark nachzuschärfen, zu hohe Farbsättigung und zu hohen Kontrast zu liefern.
Der Kunde will eben "bunt und knackig".
Als ich mir vor Jahren die EOS 20D gekauft hatte, war ich anfangs enttäuscht, wie blass und "unscharf" die Bilder waren.
Die Ergebnisse meiner Bekannten mit den günstigeren EOS 350D oder 400D waren dem ersten Augenschein nach viel brillianter.
Bis ich mir die Bilder mal genau angeschaut habe. Da hatte ich gemerkt dass die günstigeren Kameras weitaus mehr nachschärften, aber nicht wirklich mehr Detailauflösung zeigten. Auch andere Kameras, wie Fuji Finepix zeigten verstärkt Säume vom Nachschärfen.
Bearbeite ich meine Aufnahmen der 20D nach, bekomme ich die gleichen knalligen und scharfen Aufnahmen, wie die anderen.
Mit dem Unterschied, dass ich es mir aussuchen kann ob ich es so will. Die anderen bekommen das schon vorgegeben.
Leider habe ich keine Raw-Daten von anderen Kameras. Hätte mich mal interessiert.
Die Labors, welche Digitalbilder ausbelichten, folgen natürlich auch dem Trend zu bunt und scharf. Kein Wunder dass da der Eindruck ensteht, alles was digital ist, wäre "künstlich". Es ist aber nicht so, dass Digitalkameras zwangsläufig zu unnatürlich wirkenden Bildern führen. Das erinnert mich etwas an die Diskussionen vor 20 Jahren, wo es hieß "digitale Musik von CD wirkt künstlich" und Audiofans den Plattenspieler als Quelle "echter" Musik propagierten.
Zur Pixelauflösung:
Man darf nicht vergessen, dass die Angabe von Megapixeln bei Digitalkameras irreführend ist.
Eine Kamera wie meine EOS 20D mit "8 Megapixeln" liefert in Wirklichkeit nur 2 Megapixel.
Denn es werden vom Sensor je 4 Pixel für einen Bildpunkt benötigt. Die Pixel für die Grundfarben liegen auf dem Chip nebeneinander (siehe "Bayer-Sensor"). 50% werden für Grünpixel benötigt, die restlichen 50% teilen sich für Rot und Blau auf.
Der Kamerachip berechnet aus den Sensorpixeln die eigentlichen Farbpixel. Daher ist die Farbdarstellung eines Pixels in der Datei niemals "echt", sondern wurde bereits durch einen Algorithmus im Prozessor gejagt. Auch in einer RAW-Datei!
So ist eine RAW-Datei meiner 8MP-Kamera auch nur ca. 8MB groß (ca. 2,6M mal 1 Byte für jeweils R, G, und B). Wäre die echte Bildauflösung der Kamera 8MPxRGB, dann wäre die RAW-Datei 24MB groß.
Ein Scanner dagegen liefert eine höhere Auflösung. Nehme ich z.B. die 2700 DPI meines Scanners und speichere als Bitmap ab, dann erhalte ich eine Datei mit ca. 30MB. Bei Kleinbild 24x36 erhalte ich 2592 x 3888, also 10 "echte" Megapixel.
Bei 8 Bit pro Grundfarbe in der Bitmap passen die 30MB der Datei.
Bei Scannern besteht der Zeilensensor in Wirklichkeit aus 3 Zeilen nebeneinander. Je eine für R, G und B. Die DPI-Angaben beziehen sich hierbei auf "Punkte x 3". Also für einen Bildpixel des Scans werden 3 echte Sensorpixel genommen.
Ein typischer Zeilensensor mit 10000 Pixeln hat in Wirklichkeit 3 Zeilen zu je 10000 Pixel.
Eine Digicam mit vergleichsweiser Auflösung des KB-Scans müsste schon mit 30 Megapixeln angegeben sein.
Geht man also davon aus, dass ein guter KB-Film etwa 20 Megapixel an Information speichern könnte, so müsste eine Digicam mit dieser Auflösung mit 60 Megapixel (!) im Verkaufsprospekt angegeben sein.
Man sieht also, der Digitalbereich ist noch nicht ganz so weit. Ich schätze aber in 5 Jahren wird die Schallmauer der Auflösung im Vergleich zum Film durchbrochen sein.
Das Problem mit dem die Hersteller allerdings kämpfen ist nicht die Anzahl der Pixel auf dem Chip, sondern ihre Größe.
Je größer ein Chip, desto teuerer ist er, weil die Fehlerwahrscheinlichkeit bei der Herstellung durch Verschmutzung mit der Fläche ansteigt. Daher müssen die Chips klein sein. Kleinere Chips mit mehr Pixeln = kleinere Pixel. Kleinere Pixel sind aber unempfindlicher, weil das Signal eines Lichtsensors durch dessen aktive Fläche bestimmt wird. Dieses Manko kompensieren die Hersteller durch eine größere Signalverstärkung. Dadurch wird aber auch das natürliche Rauschen, welches jeder Halbleiter hat, mitverstärkt.
Joachim