#1

Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 09.10.2008 21:34
von Harald
Eine meiner "typischen" Motive sind Fachwerkbauten, die sich in die Reihe der Landfotografie prima einreihen.
Ganz problemlos sind diese Aufnahmen jedoch nicht, weil nicht nur die üblichen Auswahlkriterien des Filmmaterials (div. dunkele Ecken, Schattenwürfe), sondern auch die des passenden Objektives wesentlich ist.
Mit 50mm macht man die besten Fachwerkbilder, weil die tatsächliche Winkelung gegeben ist und Weitwinkelverzerrungen, sowie Teleaberrationen, besonders an den Rändern- weitestgehend vermieden werden.
Nach zig Fehlschlägen kann ich nur raten, Fachwerkbauten direkt in der Draufsicht* und mit dem Licht im Rücken aufzunehmen.
Dabei muß nicht unbedingt pralle Sonne sein, auch ein Regentag ist geeignet um solche Aufnahmen zu machen:
Vollformatig sind ca 30-40mtr Abstand nötig,
die dann fast 10mtr Unschärfe vorne haben- bei f5,6 -bei f8 noch 7,6mtr.
(Dh. Vordergründe sind nicht unbedingt schön gezeichnet)
Leider sind heute praktisch überall "Kontaminierungen",
wie Fahrzeuge, Verkehrsschilder, Reklamen, Sonnenschirme und ähnlicher Kram im Vordergrund, die nicht wegzubekommen sind - -
ausser man entscheidet sich für eine klassische Ausschnittsfotografie, die den Charakter
des Fachwerks brilliant betont und Rückschlüsse auf das Gesamtgebäude zulässt, welches
evtl. noch einmal als weit entfernte Totale gezeigt werden kann, in der Einbildung in den Marktplatz oder in die Straßenszene.
Ein Beispiel mit recht schwieriger Auslichtung und Schärfen, ein typisches Schrägbild:
http://www.plaetzchenwolf.eu/Bilder/N31.jpg
Ein Beispiel mit einfacherer Auslichtung und einfach zu fokusierender Schärfe:
http://www.plaetzchenwolf.eu/Bilder/39.jpg
Ein Beispiel von Ausschnitt, die bei Fachwerk noch besser kommt, z.B. Inschriften in Balken:
http://www.plaetzchenwolf.eu/Bilder/142.jpg
"Entzerrt" Fachwerkbauen, die mit Weitwinkelobjektiven aufgenommen wurden und ganz besonders von Zoom-Objektiven, sind schlimm anzusehen und entstellt, -
dabei muss man nicht mal das Bild in Händen halten um vor Ort zu vergleichen!

Der "Mut zur Lücke" oder dem Ausschnitt oder Abschnitt bei Fachwerk ist nach meiner Meinung zwingend, wenn das Bild ansehnlich werden soll und nicht durch irgendwelchen profanen Kram -vornehmlich im unteren Bereich- abgelenkt werden soll,
der das Bild schnell kaputt machen kann:
http://www.plaetzchenwolf.eu/Bilder/Galerie1.jpg
Die blaue Infotafel und das Motorrad stören mich sehr, mit dem Touristenzirkus mittig links könnte ich noch irgendwie klar kommen.
Das Übelste sind farbige Mülltonnen!

Fachwerkhäuser kann man mit dem 50mm gmütlich freihand aufnehmen, selbst bei diffusem Licht oder bei einsetzender Dämmerung oder in dunkleren engen Straßenschluchten.

Infotafeln
http://www.plaetzchenwolf.eu/1500-6.html
sind für mich ein ganz wertvoller Bestandteil einer Altstadt-Session,
wo man streiten kann, ob flankierend eine Totale des Gebäudes dazugehört oder
ob darauf verzichtet werden kann, wenn dieses Haus derart unansehnlich ist, wie die meisten ebendieser Pise-Bauten.

Kurz:
Der Ausschnitt ist immer gewagt, kann aber mehr Reiz vermitteln als die Ablichtung ganzer Straßenzüge oder Gebäude, zeigt er doch die Illusion, die man vor Ort hat,
wenn ein historischer Ortskern besichtigt wird:
Man konzentriert sich auf ein Gebäudedetail oder auf die Tafel am Haus oder auf den Giebel etc.
Das chaotische Treiben mit Parktafeln, Parkuhren, Autos, Reklamen oder aehnlichem ist in uns selbst als Touristen ausgeklammert und kommt bestenfalls in Erinnerung, wenn wir uns an übervolle Mülleimer oder dreckige Bänke etc. erinnern.
Wir sehen nur das Schöne!


*
Die bei der Verkleinerung auf Forengrößen entstehenden Treppchen und Artefakte in schrägen Ebenen sind dann auch sehr viel weniger oder nicht mehr vorhanden!
(Dazu später mal mehr)

zuletzt bearbeitet 09.10.2008 21:53 | nach oben springen

#2

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 10.10.2008 00:37
von Holger • Mitglied | 960 Beiträge

In Antwort auf:
Der Ausschnitt ist immer gewagt, kann aber mehr Reiz vermitteln als die Ablichtung ganzer Straßenzüge oder Gebäude, zeigt er doch die Illusion, die man vor Ort hat,
wenn ein historischer Ortskern besichtigt wird:
Man konzentriert sich auf ein Gebäudedetail oder auf die Tafel am Haus oder auf den Giebel etc.
Das chaotische Treiben mit Parktafeln, Parkuhren, Autos, Reklamen oder aehnlichem ist in uns selbst als Touristen ausgeklammert und kommt bestenfalls in Erinnerung, wenn wir uns an übervolle Mülleimer oder dreckige Bänke etc. erinnern.
Wir sehen nur das Schöne!


Das widerspricht aber ganz deutlich Deinem sonst hier formulierten Anspruch, daß alle Menschen gleich sehen und immer das sehen was da ist.

Du beginnst hier mit dem "optischen Saubermachen"

Viele Grüße
Holger


"Blende 8 - und dasein!"


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#3

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 10.10.2008 01:55
von Harald

Tja, ganz so einfach ist das nicht, Holger!
Architektur und Landschaft ist ein ganz anderes Ding, wenn ich das mache, ist das ein totaler Spagat, der ständig zum Nachdenken drängt, um näher an das (mir) gesetzte (selbst) Ziel zu kommen.
Wie bei der Modellbahn, hat man auch von "seiner" Fotografie ganz bestimmte Vorstellungen- bei mir ist es halt so, dass Landschaft stärker in's Interesse kam, weil meine geliebten Fachwerkbauten grauenvoll von irgendwelchem Mist kontaminiert sind und mehr Ärger um so manches verdorbene Objekt entsteht, als Freude an der Fotografie.
(Zumal auch noch der Sonnenstand zu berücksichtigen ist, den ich früher eher vernachlässigt habe)
Jede Beschränkung ist auch ein Stück Armut- wo man raten darf, was wohl am wenigsten ablenkt: Eine bestimmte Motivgruppe oder die Abkehr von der Fotografie um jeden Preis- ich habe mich für die 2. Möglichkeit entschieden und mache schon lange keine Anzahl von Bildern eines Ortes, nur weil man da so selten hinkommt...
Manchmal wird es nur 1 oder 2 Bilder, statt ehedem 25 von einem Ort.

Beobachte mal technische oder architektonische Linien, die halb schräg im Bild sind- z.B. Regenrinnen, längere Fensterbänke, Oberleitungen die von dem unteren Drittel ins obere Drittel der anderen Bildseite (nur Monitore) laufen.
Dort sind gerne Bearbeitungsfehler als Zackenlinien zu sehen, die aus der Reduzierung der Bildinformation der TIEFE (kb) kommen: Es bleibt praktisch nur jedes 4. Pixel übrig,
das mit Hilfe der Software "interpoliert" werden muss. Exakt dieser Vorgang geht bis heute nur gerade oder in geraden Verbindungen und nie dem eigentlichen Objektverlauf folgend- mal nach oben, mal nach unten gebogen.
Diese Verbindungslinien, die nicht dem eigentlichen Objekt folgen, sind dann gezackt zu sehen oder als gezackte Zu-Linien.
Die Reduzierung auf Bildschirm- und Forengröße erfolgt nicht etwa im Zuschnitt, sondern in der Pixelinformation- aus 4500x2400 eines Scans eines 13x18 Bildes mit 1200dpi oder aus einem 8810x5010 einer ebensolchen Vorlage mit 2400dpi (35 bzw bis 140MB)eines Bildes erfolgen bei der Reduzierungen auf 1000Pixel x ca 700 (meine Homepage)bei 100% Qualität ca 7-800kb, also gerade mal 1/50stel der ursprünglichen (meist 35MB, ergo 1200dpi) Bildstärke oder Tiefe.
Klar, dabei geht viel Qualität flöten, die ich in langen langen Versuchsreihen versucht habe einigermaßen auszubügeln.
Bei Architektur, das ist die Crux hierbei- gibt es viele dieser schrägen Linien, die so problematisch sind (achte mal drauf, ich kann von fast jedem User davon eine ganze Anzahl zeigen),daß ein anderer Aufnahmewinkel mehr als zweckdienlich scheint.
Bei frontalen Aufnahmen entsteht dieser Effekt nicht, da quasi alle Linien waagerecht verlaufen.
Bei meinem Bestreben nix als die Wirklichkeit so abzubilden, dass jeder Betrachter jederzeit die Uhrzeit (Sonnenstand) und den exakten Entstehungsort der Aufnahme verifizieren kann, kommt man in erstaunliche Aktivitäten, wenn Zoom gänzlich abgelehnt wird. (Alle 3 dieser monströsen Röhren habe ich gleich wieder verkauft)

Fotografie ist mir ein Stück Freiheit, Beweglichkeit und auch Ehrlichkeit, die lieber keine Bilder macht, als gefaikte.

Um den Exkurs zu beenden und zum Fachwerk zurückzukommen, wo diese Betrachtungen nicht wegzudenken waren, will man im Internet präsent werden,- bleiben also nur noch wenige Objekte, die lohnenswert sind festgehalten zu werden oder- - man fotografiert lieber gleich Details, wozu ich raten kann....







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#4

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 10.10.2008 03:25
von Harald

Nachtrag:
(Das fiel mir erst beim Rasenmähen ein)
Wenn nun diese Verkleinerung in Forengröße oder 1000 Pixel (Beispiel) nicht bei 100% Qualität, sondern mit nur 70 oder 60 % abgespeichert wird, dann verstärken sich die Treppeneffekte.
Manchmal sieht man in den Wolken von Schlieren bis zu richtig legosteinaehnlichen Eckenmustern - ein klares Zeichen von Bearbeitungsfehlern.


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#5

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 13.10.2008 03:29
von die_immer_noch_auf_Film_knipst • Mitglied | 37 Beiträge

Zitat von Harald

Fotografie ist mir ein Stück Freiheit, Beweglichkeit und auch Ehrlichkeit, die lieber keine Bilder macht, als gefaikte.

Diese Aussage plättet mich ein wenig, denn ich habe bisher immer versucht, das im Bild festzuhalten, was ich mit meinen Augen und meinen Emotionen, das Motiv betreffend, gesehen habe. Ist Fotografie nun lediglich ein emotionsloses Scannen eines Motivs, so realistisch wie nur möglich? So würde es mir aber keinen Spaß machen, denn das könnte ein gut gesteuerter Roboter bzw. eine gute Webcam sicher besser (verwackelt nicht). Wenn ich meine "Handschrift" versuche einzubringen - sind die Resultate dann "gefakte" Bilder??? Ist es unehrlich, bei einer Aufnahme zu warten, bis das richtige Licht da ist, bis störende Elemente (Autos, Passanten u.a.) wieder weg sind, Schritte vor bzw. zurück oder zur Seite zu machen, um Zäune, Kabel aus dem Sucher zu bekommen?
fragt erstaunt die_immer_noch_auf_film_knipst


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#6

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 13.10.2008 03:54
von Harald

Z.Zt. steige ich ein wenig aus der Fachwerk- oder Architektur aus, weil obig angeführte Sachen oder Widrigkeiten mir mehr mißfallen als erfreuen..
Meine Frau findet Sonnenschirme und Straßenschilder, Postkästen, Telefonbuchsen, Jahrmärkte oder Zeitungsstände etc. ganz zeitgemäß, auch wenn zum Zeitpunkt der Errichtung von diesen alten Häusern sowas noch nicht "angesagt" war.
Mich stört es immer mehr und macht mir diese Art der Motivwelt recht madig.
Deshalb habe ich das erstmal abgeschlossen und zeige Fachwerk nur noch als Randerscheinung oder Beiwerk und konzentriere mich auf Details und Landschaft.
(Da ist genug zu sehen und abzulichten)


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#7

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 13.10.2008 21:50
von Neocortex • Mitglied | 638 Beiträge
üße Riccardo :-)

______________________________________________________________________________
"Ich habe Fotografie studiert, indem ich die Anleitung auf der Kameraschachtel gelesen habe."
- Elliott Erwitt -

http://flickr.com/photos/bresemann/
zuletzt bearbeitet 13.10.2008 21:52 | nach oben springen

#8

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 14.10.2008 04:48
von Neocortex • Mitglied | 638 Beiträge

Uuups, da ist beim Posten wohl was verloren gegangen...

Na ja, auf ein Neues: Hallo Harald,

Deine Aussage, dass jede Fotografie, die Deiner "Gekreuzte-Finger-Philosophie" widerspricht, als gefaked zu bezeichnen, finde ich schon ziemlich anmaßend. Unsere Auffasung von Landschaftsfotografie könnten gegensätzlicher kaum sein und das ist ja völlig okay. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Aber Du bist nicht Inhaber der alleinseligmachenden Fotowahrheit. Und nur, weil ich ein Landschaftsfoto komponiere, um eventuell eine Stimmung einzufangen, möchte ich mir nicht "Fälschung" (=Fake) vorwerfen lassen.

Viele Grüße
Riccardo :-)


______________________________________________________________________________
"Ich habe Fotografie studiert, indem ich die Anleitung auf der Kameraschachtel gelesen habe."
- Elliott Erwitt -

http://flickr.com/photos/bresemann/
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#9

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 14.10.2008 05:21
von shortRec • Mitglied | 235 Beiträge

Ich sehe das ähnlich wie Maria. Es geht bei einem Foto nicht um einen technischen Scan des Motivs. Es ist immer eine Interpretation des Fotografen, denn er wählt den genauen Ausschnitt, bestimmt die Perspektive und legt letztendlich den Zeitabschnitt fest, der festgehalten wird. Das sind Elemente, die in der Summe eben nicht von jedem zu jeder Zeit wiederholt werden können. Gedanken daran aktiv in den Gestaltungsprozess einzubringen und eben das Besondere dieses Augenblicks der Aufnahme aus dieser Perspektive in ihrer Einzigartigkeit anderen zugänglich zu machen, ist der für mich interessantere Ansatz. Zwischen Fotografie und Motiv steht immer der Fotograf mit seiner Persönlichkeit und seinem Wollen.
@Harald: wenn ich deine Beiträge so verfolge, habe ich das Gefühl, du bewegst dich in eine Sackgasse hinein. Ich kann das im Augenblick noch nicht in Worte fassen, ich musste nur gerade an die Geschichte vom "Steppenwolf" von Hesse denken. Die Hauptfigur dort macht was ähnliches durch.
Aber nochmal zurück zu den Bildern, bzw. zu deren Darstellung. Wenn ich dich richtig verstanden habe, möchtest du jeden "Fake" vermeiden, um einen möglichst "authentischen" Eindruck zu vermitteln. An vielen Stellen ist eben ein "Fake" nötig, um den Eindruck des Betrachters vor Ort auf dem Bild zum Ausdruck zu bringen. Populärstes Beispiel dürfte das Entzerren Stürzender Linien sein. Rein physikalisch/optisch sind die Linien nicht nur auf den Bildern zu sehen, sondern auch vom Auge. Das Gehirn korrigiert dieses. Jetzt müsste ich ja entsprechend bei der Aufnahme ebenfalls die Linien entzerren. Bleibt das Problem 3D->2D. Du solltest mal dringend einkaufen gehen
Wenn du die Fachwerkhäuser konsequenter Weise orginalgetreu im Bild erfassen willst, musst du auf Pinsel und Leinwand umsteigen. Kameras gabs damals noch nicht.


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Ehrliche Kritik ist schwer zu
ertragen – besonders von einem Verwandten, einem Freund,
einem Bekannten oder einem
Fremden.

FRANKLIN P. JONES


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#10

RE: Motivwelten, hier: Fachwerkarchitektur.

in Projekte 14.10.2008 15:26
von Harald
Nein nein, meine Ausführungen sollten lediglich erklären warum so und so von mir in einer ganz bestimmten Art Bilder gemacht werden, keinesfalls die Vielfalt in Frage stellen oder auch nur berühren!
Lediglich eine erweiterte Vorstellung, keine Kritik- nicht mal ansatzweise:
Mir ist vollkommen egal wie und womit jemand seine Fotos macht, wenn die stark bearbeitet sind, werden es halt eher Bilder, die halt der Malerei ähnlicher sind, als einer Ablichtung:
Ich mache das halt nicht, so einfach war das gemeint- ohne irgendwelche Hintergedanken.
(manchmal fließen ein paar negative Erfahrungen aus anderen Foren mit ein)

zuletzt bearbeitet 14.10.2008 15:27 | nach oben springen






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