#1

Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 22.07.2012 23:56
von HenningH • Mitglied | 1.216 Beiträge

Hallo,

mir gehen bei den letzten Threads, in denen "absurde" Fragen gestellt wurden (Caffenol, günstige Makro-Ausrüstung) ein paar Dinge durch den Kopf.

Es passiert vor allem in diesem Forum häufig, dass sich sehr unbedarfte Anfänger anmelden und Fragen stellen, die für den normalen Anwender schon etwas befremdlich, für den "alten Hasen" aber eine Kombination aus purer Unverschämtheit und dem Untergang der zivilisierten Welt darstellen.

Der "junge Mensch" von heute geht anders mit Informationen um. Selbst wenn alle Anleitungen ohne Probleme verfügbar sind, wird erstmal drauflos probiert. Auch, wenn man mit einem Mausklick erfahren könnte, wie es richtig sein sollte, bleibt man auf dem falschen Weg und fragt lieber nachher (oder nach noch weiteren Fehlversuchen), warum das denn nicht geht. Da hilft auch nicht, zu sagen: Leih' Dir bitte das und das Buch aus (Nebenbei: in unserer Stadtbücherei gibt es keine Bücher mehr, die sich mit filmbasierter Photographie beschäftigen, die wurden alle im Laufe der Jahre ausgebucht und auf dem Bücherflohmarkt verkauft.) oder lies Dir die und die Seite durch. Wenn sich der "junge Mensch" vorgenommen hat, aktiv zu sein, dann will er nicht lesen.

Das mag grade für die älteren Generationen (30+) befremdlich sein, ist aber heute vielfach so. Das zu ändern, dürfte ohne eine grundlegende Umstrukturierung von Medienwelt und Bildungswesen nicht möglich sein. Daher sollten wir einfach versuchen, damit umzugehen. Auch, wenn man das Gefühl hat, dass da jemand nur im Sinn hat, einen auf den Arm zu nehmen, ist das nicht so; es ist einfach ein unbedarfter und naiver Weg mit einer Sache umzugehen. (Sicher mag es auch Fälle geben, bei denen es nur darum geht, ein Forum aufzumischen und Teilnehmer gegeneinander auszuspielen; das, was man gemeinhin als Troll bezeichnet. Die sind aber nach meiner Erfahrung eher selten und kommen nicht so direkt und unbedarft daher.)

Variante 1: Ignorieren. Geht vor allem in Foren sehr gut. Man muss auf solche Fragen nicht eingehen. Gerade, wenn man sich in einem Metier sehr gut auskennt, kann so eine Art Zwang entstehen, alles, was irgendwie nicht richtig ist, korrigieren zu müssen. Das kommt einer Weltrettung gleich und funktioniert nicht. Wenn man also eine Baustelle findet, bei der man eigentlich alles abreißen und dann neu aufbauen müsste, kann man einfach weitergehen und gucken, was die Forenwelt noch so bietet (z. Bsp. warum der TMY in D76 nicht über 320ASA kommt, oder warum die 1/100 bei der M3 manchmal hängt). Das geht ohne Probleme, weil sich bestimmt jemand anderes findet, der sich kümmert. Und wenn das auch nicht passieren sollte, ist das auch nicht schlimm.

Variante 2: Ärmel hochkrempeln und aufräumen. Also sich einlassen, klar sagen, was richtig und nicht richtig ist und in kleinen Schritten dabeibleiben. Da kann es durchaus sein, dass man eine Sache zwei- oder dreimal erklären muss, bevor sie einigermaßen berücksichtigt wird. Der "junge Mensch" meint das nicht böse. Er ist einfach gerade aktiv dabei und will sich nicht abbringen lassen. Angenehm ist auch, dass man dabei durchaus deutlich, direkt und klar sagen kann, was falsch ist, ohne dass es der andere einem übel nimmt.

Wie gesagt: es geht mir so durch den Kopf...

Swingende Grüße

Henning


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Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.
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#2

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 08:05
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Henning,

ja, das scheint z.T. ein Generationenproblem zu sein. Ich erkläre gern - wenn's dann nicht ernstgenommen wird, denke ich mir Schwamm drüber und gut. Es besteht immerhin jedes Mal die Chance, jemanden ins analoge Lager zu holen, die sollten wir nicht verpassen.

Auf der anderen Seite kann ich es aber nachvollziehen, daß Leute verärgert sind, die sich Mühe geben, Sachen zu erklären und dann wird es nicht gelesen. Oder die Sachen schon häufig erklärt haben und durch Nachlässigkeit wird es trotzdem falsch gemacht. Oder wenn man für Leute die Google-Suchen machen soll, die diese genauso gut auch selbst hinbekommen hätten. Oder, oder.

Ich denke, wenn man jemandem konstruktiv mitteilt, daß er Bockmist gemacht hat, ist das in Ordnung. Auf beiden Seiten macht bekanntlich der Ton die Musik. Und eben diesen Ton finde ich hier immer sehr angenehm, selbst, wenn ein Posting mal etwas deutlicher formuliert wurde. Dann hat das im Allgemeinen auch seinen Grund. Schau Dir vergleichsweise mal andere Foren an, es gibt da z.B. eins, das wohl vor allem dazu dient, Neulinge gezielt von der analogen Fotografie abzuschrecken...

Deine beiden Varianten sind jedenfalls die richtigen Herangehensweisen, die hier nach meinem Dafürhalten aber auch in fast allen Fällen angewandt werden. Glücklicherweise.

Viele Grüße
Nils


zuletzt bearbeitet 23.07.2012 08:06 | nach oben springen

#3

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 08:31
von anTon • Mitglied | 6.858 Beiträge

ich schreib immer wieder was ich empfehlen würde wenn mir die Frage sinnvoll erscheint und ich was dazu weiss. Gibt für nen Anfänger nichts schlimmeres als "benutz mal die Suchfunktion" weil man sich da nicht ernstgenommen fühlt. Wenn nachgefragt wird, dann geh ich mehr ins Detail, wenn ich merke daß kein Interesse besteht, dann bin ich ruhig.


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#4

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 09:30
von Esel18_24 • Mitglied | 429 Beiträge

Danke für jede Antwort,

manchmal dachte ich auch schon in eine falsche Richtung, und war mir meiner Meinung ganz sicher, und deshalb schwer zu überzeugen.

Gerade Anfänger benutzen manchmal abgelaufene, falsch gelagerte Filme und Chemie, unberechenbare Technik vom Flohmarkt oder Dachboden... .
Ist doch auch ganz gut damit zu üben und zu lernen. Manchmal entsteht dabei sogar ein super Foto.

Gruß Lutz


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#5

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 10:45
von namir • Mitglied | 2.452 Beiträge

Generationenkonflikt... und ich bin bei den Alten... Zeit vergeht,.

Variante 3: Auf mittelschroffe Weise zu verstehen geben, dass Fragen gefälligst so zu stellen sind, dass man sie auch beantworten kann, ohne einen halben Roman zu schreiben, und dass vorher natürlich etwas recherchiert und auch die Suchfunktion bemüht werden soll, damit wir nicht zum zehnten Mal die selben Fragen beantworten müssen. Dann hätten wir mittelfristig auf jeden Fall keine Probleme mit Sensibelchen...

Was ich in solchen Situationen mache, hängt bei mir auch ein bisschen von der Tagesform und den Nuancen einer naiven und/oder diffusen Frage ab.
Wenn ich gerade ein paar Minuten Zeit habe, und meine, ich könnte etwas halbwegs hilfreiches sagen, dann tue ich das auch. Wenn mich eine Frage wirklich annervt, tendiere ich schon mal zu Variante 3. Wenn ich mir sehr sicher bin, dass es ein Troll oder Spammer ist, denunziere ich auch gerne bei den Mods. Wenn mich dumme Fragen nerven, und ich ausnahmsweise keine Lust habe, den Oberlehrer zu spielen, dann kommt Variante 1 ins Spiel.

Ob das wirklich gut ist... denke bei Gelegenheit mal drüber nach.


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#6

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 19:11
von anTon • Mitglied | 6.858 Beiträge

Zitat von namir im Beitrag #5
Generationenkonflikt... und ich bin bei den Alten... Zeit vergeht,.




*grins* einer der markanten Punkte im Leben :)


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#7

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 23.07.2012 19:38
von Photoamateur • Mitglied | 3.030 Beiträge

Hallo Henning,

ich habe darüber noch nie so wirklich nachgedacht, aber ich weiß jetzt vermutlich doch wozu das "denk doch mal nach bevor Du redest" meiner Elterngeneration gut war und womöglich auch die ein oder andere Backpfeife bei allzu vorlautem oder experimentierfreudigem Verhalten. Wir waren doch im Grunde genauso, das Verhalten war bloß bis etwa zum 10. Lebensjahr von Eltern und Lehrern ziemlich gründlich ausgetrieben, wobei es nach dem Abitur bei manchem hin und wieder wieder zum Vorschein kam.

Daß die Jugend nichts mehr in der Schule lernt und daß wir uns dumm anstellen würden, wurde gewiß auch schon zu meiner Zeit gesagt, ganz zu schweigen vom beklagten fehlenden Respekt vor den Erwachsenen. Da ändert sich wohl doch in aller Regel weniger als man mitunter glaubt.

Ich denke, man braucht sich über solche Fragen nicht aufzuregen, aber wenn jemand einfach draufloswurschtelt, kann man auch mal klipp und klar sagen, was Sache ist. Man braucht jedenfalls nicht den Anschein erwecken, daß das die ideale Vorgehensweise sei. Wer dann nicht will, der hat schon.


gut Licht
Walter
zuletzt bearbeitet 23.07.2012 19:39 | nach oben springen

#8

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 24.07.2012 07:46
von anTon • Mitglied | 6.858 Beiträge

da magst Recht haben, jede Generation mault über die nächste.

Aber um zum Thema zurückzukommen ... die Frage nach dem analogen Einstieg ... plötzlich ist der Fragesteller nicht mehr da ... und ich würde mir bei sowas jedesmal wünschen Info zu bekommen wie es ausgegangen ist.


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#9

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 30.10.2012 02:00
von Blende 11 • Mitglied | 1.426 Beiträge

Das mag jetzt vielleicht ein wenig platt klingen, aber ist nicht jeder gelegentlich mal Anfänger, Neuling oder unerfahren in den unterschiedlichsten Dingen des Lebens? Wir würdet Ihr denn selbst in einem solchen, eigenen Fall behandelt werden wollen?

Letztendlich macht doch der Ton immer die Musik, oder? In dem Zusammenhang fallen mir dann noch die abgedroschenen Alltagsweisheiten "es gibt keine dummen Fragen" und "man lernt nie aus" ein.

Grüße

Peter


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zuletzt bearbeitet 30.10.2012 02:01 | nach oben springen

#10

RE: Umgang mit "frischen" Anfängern

in Feedback 30.10.2012 03:09
von namir • Mitglied | 2.452 Beiträge

... Anfänger, Neuling oder unerfahren ist nicht nur jeder gelegentlich, sondern SOLLTE mMn jeder irgendwo auch immer sein. Ist halt die Frage, wie man damit umgeht. Eigentlich hatten wir auch schon länger keinen "Konflikt" zwischen den alten und jungen Hasen hier, oder täusche ich mich. Tja, manchmal hilft's halt doch, wenn man mal drüber redet.


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