#1

Voigtländer Bessa R3a

in Erfahrungsberichte 05.12.2010 03:11
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Die Kamera war - glaube ich - 2 Jahre auf dem Markt, als ich sie auf der Photokina 2006 in die Finger bekam. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick durch den grandiosen Sucher. Es hat dann nicht lange gedauert, bis ich ein gebrauchtes Gehäuse ergattert hatte. Objektive brauchte ich erst mal nicht, weil sich mit einem M-Adapter das russische 50er und das 85er problemlos benutzen ließen. Später habe ich dann noch ein Leica Summicron-C 2,0/40 gekauft.

So, nun mal im Detail Vorzüge und Nachteile (bis auf den Sucher sind R2 und R4 identisch):
Das Gehäuse der Kamera ist im Gegensatz zu den Vorgängern ein sehr solides Metallgehäuse. Auch alle Bedienelemente machen einen sehr wertigen, soliden Eindruck. Nur die Griffgummis könnten etwas besser angeklebt sein. Da muß man selbst nacharbeiten. Ein echtes Manko ist allerdings der Sitz der Ösen für den Umhängeriemen: offenbar sind sie von dem ursprünglichen SLR-Gehäuse übernommen und sitzen ohne Spiegelkasten und schweres Objektiv deshalb nicht in einer ausgewogenen Lage. Die Kamera kippt umgehängt immer auf den Rücken.
Der Verschluß ist ein Metallschlitzverschluß mit Zeiten von 8-1/2000 sec (manuell nur bis 1sec). Vor dem eigentlichen Verschluß sitzt noch ein hellgrauer Hilfsverschluß, auf dem die Belichtung gemessen wird. Da beim Auslösen beide öffnen und schließen, ist die Kamera nicht flüsterleise.
Die Belichtungsmessung erfolgt als Zeitautomatik mit Blendenvorwahl mittenbetont integral und ist sehr zuverlässig. Die von der Automatik eingestellte Zeit wird als rote Leuchtschrift in den Sucher eingespiegelt. Je nach Lichtverhältnissen, ist das im Sucher nicht immer sehr gut zu erkennen. Die Kamera verfügt nicht nur über einen AE-Lock sondern auch über eine sehr gut zu bedienende +/- Korrektur. Wenn man da etwas verstellt hat, blinkt die Anzeige im Sucher, sodaß man das Rückstellen nicht vergißt. Natürlich ist auch manuelle Messung möglich. Wenn ich mich recht erinnere (habe ich nie benutzt), wird dann im Sucher die gemessene Zeit blinkend und die eingestellte fix angezeigt (oder umgekehrt) und man muß beide zur Deckung bringen. Bei der manuellen R3m gibt es übrigens nur eine +/- Anzeige und keine Information über die eingestellte Zeit.
Der Sucher ist natürlich das Sahnestück der Bessa. Er zeigt das Bild 1:1. Damit kann noch nicht einmal eine Leica dienen (aber die alten Vitos :-). Auch Helligkeit und Brillanz sind hervorragend und durchaus mit der Leica vergleichbar, wie ich mich auf einem Forumstreffen überzeugen konnte. Er ist wie der der Leica Klassen besser als alle Sucher der vielen gepriesenen japanischen Meßsucherkameras und natürlich auch eine ganz andere Liga als die Sucher der Russinnen. Anders als bei der Leica werden die Leuchtrahmen aber nicht je nach Brennweite automatisch eingeblendet, sondern dafür gibt es einen Umschalter auf dem Gehäuse. Die diversen Bessas unterscheiden sich im Sucher. Welche die geeignete ist, hängt von den vorgesehenen Objektiven ab. Die Bessa R3 ist optimal für die etwas längeren Brennweiten von 40-90 mm und spiegelt auch nur diesen Brennweitenbereich ein, wobei die 40mm von Brillenträgern wohl nur schwer gesehen werden können. Es passen aber z.B. die Korrekturgläser der Nikon FE. Die R2 hat ein etwas kleineres Sucherbild und spiegelt bis 35 mm ein, dafür ist die Einstellung bei 90 mm nicht mehr so präzise. Die R4 ist ein reiner Weitwinkelspezialist.
Auch das Entfernungsmesser-Einstellfeld ist immer einwandfrei und kontrastreich zu sehen. Eine Kinderkrankheit hat der E-Messer allerdings. Die vertikale Justierung kann sich bei Stößen oder Vibrationen verstellen. Das hat zwar auf die Genauigkeit keinen Einfluß, aber man kann dann auf kleinteilige Strukturen wie z.B. Baumlaub nicht mehr gut scharfstellen. Man kann das aber problemlos wieder selbst justieren, wenn es stört.
An Objektiven gibt es eine riesige Auswahl. Die Kamera hat das Leica-M-Bajonett. Deshalb passen nicht nur die Voigtländerobjektive sondern auch alle von Leica und auch alle Objektive mit Leica-M39-Schraubgewinde, weil auch mit dem Adapter die E-Messerkupplung gewährleistet ist. Nicht ganz alle M39er passen: das berühmte russische Jupiter-12 2,8/35 ragt zu weit in die Kamera rein und stößt an den Verschluß.
Ich hatte folgende Objektive:
Jupiter-3 1,5/50 bei Offenblende arg weich, Vignettierung ganz ok aber Verzeichnung relativ stark
Jupiter-8 2,0/50 ein ordentliches Objektiv
Jupiter-9 2,0/85 ist hervorragend und braucht bis in die Ecken den Vergleich mit keinem Objektiv scheuen
Summicron-C 2,0/40 ist auch ganz hervorragend hat aber eine deutliche Vignettierung, die manchmal stören kann

Ich hatte übrigens immer einen Satz Batterien dabei (2 Stück LR/SR44), weil die Kamera gern ohne jede Vorwarnung den Dienst wegen leerer Batterien quittiert. Eine mechanische "Notzeit" gibt es nicht.

Gruß
Jochen


Gruß
Jochen
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analog: Olympus OM-2 und OM-4, Kodak Retina IIIC, IIIS und Retina Reflex S; digital: Pansonic Lumix GH3 und GF6
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#2

RE: Voigtländer Bessa R3a

in Erfahrungsberichte 05.12.2010 09:06
von uthaburn • Mitglied | 1.631 Beiträge

Zitat
Summicron-C 2,0/40 ist auch ganz hervorragend hat aber eine deutliche Vignettierung, die manchmal stören kann



Grüß dich Jochen,

das kann auch nicht an der Voigtländer passen, ist es doch für die CL gerechnet, dass passt auch nicht an einer M, deshalb die Vignette, dass wäre an einer M das gleiche Problem.
Allerdings müsste das Objektiv an der baugleichen Minolta CLE passen, übrigends auch die bessere Kamera als die Leica CL von der Ausstattung her.

Zu den Suchern:

Der Abbildungsmaßstab resultiert aus den verschiedenen Objektiven z.B.
Leica M3 0,92 hier gehen nur Objektive von 50mm aufwärts bis 135mm, deshalb gibt es die 35mm "Brille" zum 35mm Objektiv bei der M3.
Leica M4-M7 0,72 hier können auch Weitwinkelobjektive angesetzt werden und man sieht im Sucher den vollen Bildausschnitt des Objektives bei 35mm (deswegen die unterschiedlichen Suchergrössen).
Aus dem Grund haben weitwinkligere Objektive bei Messsucherkameras auch eigene Weitwinkelsucher.

Ansonsten finde ich die Voigtländer R Kameras absolute Spitze, sollen doch auch die hauseigenen Objektive astrein sein und notfalls pappt man Zeiss oder Leica Objektive dran, ich habe leider noch keine in der Hand gehabt aber kenne auch keinen der damit unzufrieden ist. So ist sie doch eine gute Alternative zur Zeiss Ikon oder Leica M.

VG
Frank


alles was Klack macht !!

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zuletzt bearbeitet 05.12.2010 09:17 | nach oben springen

#3

RE: Voigtländer Bessa R3a

in Erfahrungsberichte 05.12.2010 10:41
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Zitat von uthaburn
das kann auch nicht an der Voigtländer passen, ist es doch für die CL gerechnet, dass passt auch nicht an einer M, deshalb die Vignette, dass wäre an einer M das gleiche Problem.


Wie kommst Du denn darauf? Gleicher Objektivanschluß, gleiches Auflagemaß und gleiches Filmformat, dann entsteht dadurch auf keinen Fall eine Vignettierung. Angeblich soll die Entfernungseinstellung nicht 100% exakt sein, weil die Abtastung bei CL, M und Bessa etwas unterschiedlich ist, aber das ist allenfalls ein meßtechnisch erfassbarer Unterschied.

Gruß
Jochen


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#4

RE: Voigtländer Bessa R3a

in Erfahrungsberichte 05.12.2010 11:20
von uthaburn • Mitglied | 1.631 Beiträge

Zitat
Wie kommst Du denn darauf? Gleicher Objektivanschluß, gleiches Auflagemaß und gleiches Filmformat, dann entsteht dadurch auf keinen Fall eine Vignettierung. Angeblich soll die Entfernungseinstellung nicht 100% exakt sein, weil die Abtastung bei CL, M und Bessa etwas unterschiedlich ist, aber das ist allenfalls ein meßtechnisch erfassbarer Unterschied.



Hallo mein Freund,

das 40er für die CL hatte ich auch mal im Auge, dass wird ja relativ preisgünstig Angeboten und dabei liegt der Haken, dass Objektiv ist nach meiner Rechere nur für die CL gerechnet und somit nicht für eine grössere Messsucherkamera, es gibt einschlägige Internetdokumentationen, das dass 40 nicht für eine Leica M und somit auch nicht an einer Voigtländer oder Zeiss Ikon passt, ausser vom Bajonettanschluss, das Auflagemaß ist gänzlich anders als bei M Objektiven, es gehen auch keine Minolta CLE Objektive an einer Leica M, ausser von Bajonettanschluss abgesehen, ausserdem wird sich Leica nicht erdreissten ein Objektiv auf dem Markt zu werfen wo die Entfernungseinstellung nicht 100 % ist, ausser das Objektiv ist total dejustiert.
Ruf mal in Solms an, dass ist ja kostenlos und lass dich aufklären.
LG
Frank


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#5

RE: Voigtländer Bessa R3a

in Erfahrungsberichte 05.12.2010 12:31
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Das Auflagemaß ist selbstverständlich genau das selbe. Keine Ahnung, wer im Netz den Unsinn verbreitet, daß das nicht so ist. habe ich aber auch noch nie gelesen. Und das Objektiv ist natürlich nicht ungenau bei der Entfernungseinstellung, sondern die Abtaststeuerung für den E-messer ist bei M und CL unterschiedlich konstruiert. Dadurch soll es Differenzen geben, wenn man ein C-Objektiv an einer M benutzt und umgekehrt. Aber nach einhelliger Meinung im Netz, ist das nur ein meßtechnisch zu erfassender Unterschied, der keinerlei praktische Auswirkung hat.

Außerdem kann es selbst bei Unterschieden des Auflagemaßes nicht zu Vignettierung kommen, sofern überhaupt scharf gestellt werden kann. Wodurch auch? Die Vignettierung ist eben ein Zugeständnis an die extrem kompakte Bauweise, die man heute Pancake nennen würde.

Gruß
Jochen


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