#1

Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 16.07.2009 19:26
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Also das Beste ist ne Fachwerksatt.
Eine ungeprüfte Adresse: Fotomechanik Reinhardt in Hannover Tel 0511-814699
Aber manchmal wird das wohl zu teuer.
Meine Art Gangbarmachung der Ring/Rad- Compurverschlüsse, wie z.B. in der Bergheil mit den Heliar-Objektiven.
Das Scharfstellen erfolgt hier über das komplette Verschieben der Objektivstandarte.
Die sehr alten bis alten Optiken bestehen in der Regel aus 2 Objektiv-Hälften.
Ein Hälfte vom Lisensatz sitzt vor, und ein Hälfte sitzt hinter dem Verschluss.
Der jeweilige halbe Linsensatz ist in sich nochmals verschraubt und fällt bei der Demontage der 2 Hälften nicht auseinander.
Sie lassen sich oftmals recht leicht herausschrauben und ebenso sicher wieder einschrauben.
Alte Optiken lassen sich auch nur mit einer Linsenhälfte benutzen.
Sie sind dann etwas weniger Leistungsstark. Sie haben aber dadurch dann eine grössere aber deutlich lichtschwächere Brennweite die oft benutzt wurde.
Wenn also bei mir so ein Verschluß nicht so das macht, was er soll schraube ich zuerst diese 2 Linsenhäften aus dem Verschluß.
Bei leichten Lösungsproblemen an die Objektiv-Gewindegänge Kriechöl und dann stetig vor..rück..vor.
Wenn sie sich nicht lösen wollen 10 Minuten in den Backofen auf 50°C und dann stetig vor..rück..vor. Sobald sie sich bewegt wieder Kriechöl und Geduld beim Drehversuch. Die Wärme unterstützt auch die Tiefenwirkung vom Ölen.

Der Verschluß hat dann Riesenprobleme wenn die Verschlusslamellen durch unser Nachölen verklebt sind. Diese Lammelen müssen am Reparaturende absolut Fettfrei sein/werden. Sie sind sonst deutlich gebremst oder gehen gar nicht mehr wegen des Ölens.

Bei leichtem Verschluss-Nichtwollen kommt die Föhntechnik.
Föhn in den Schraubstock, volle Luftleistung und nur eben warm. Den Verschluss in die Linke Hand und in den Luftstrom halten. Sprühöl in die Rechte Hand. Der Verschluss hat mehre Öffnungen, in die man den Lüftstrom gezielt blasen lassen kann. Also in den gezielten Luftstrom zum Verschluss wird ganz leicht Srühöl (mit Siliconzusatz) in den Luftstrom gesprüht. Nicht direkt in den Verschluss sondern in die Luft ausserhalb. Wir produzieren einen leichten warmen Ölnebel mit reichlich Luft und blasen diesen durch den Verschluss. Einnebeln, nicht baden ist angesagt. Und dann kommt wieder 100 x den Verschluss ablaufen lassen. Der erholte sich dann so ganz langsam.
Und wenn das auch noch nicht fruchtet, das ganze Teil 24 Stunden in eine grössere tiefe Glasschale und mit einem sanften Industriereiniger auffüllen. Zwischendurch immer Auslöseversuche. Alles im Verschluss löst sich so an alten Fetten auf und spült sich heraus.
Und wieder 100 x den Verschluss unter/in der oberen, sauberen Reinigungsflüssigkeit ablaufen lassen. Unten auf dem Glasgrund kann man den abgesetzten Belag aus dem Verschluss erkennen.
Danach wieder, aber diesmal kräftiger die Aktion mit dem Föhn und dem Ölnebel.
Jetzt sind die Verschlusslamellen bestimmt gut eingeölt.
Aceton-Reiniger auf eine Q-Stip und dann tupfend beidseitig die Lamellen ÖL-frei tupfen. Aber gaaanz langsam. Nur die Lamellen müssen Ölfrei werden. Die Lagerung dieser Lammellen müssen am Ende noch leicht eingeölt bleiben. Also die Lamellen nicht baden. Dito für die Blenden-Lammellen.
So macht das der Profi bestimmt nicht, aber bei mir hat es mehrfach, bis auf den einen, der jetzt im Himmel ist, bestens geklappt.
Wer seinen Verschluß geöffnet bekommt, nimmt Uhrenöl Nr.2 und ölt präzise. Uhrenöl Nr.2 Bekommt man beim Uhrmacher in ganz kleinen Mengen, wenn man sich aus der Apotheke eine ganz kleine 1ccm Spritze besorgt, mit der man klasse gezielt und dosiert Ölen kann.
So ölt/saniert ein Schrauber aus dem Sauerland Gruß Berthold.


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#2

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 16.07.2009 21:42
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Berthold,

danke für diese ausführliche Beschreibung. Ein selbstgemachter Objektivschlüssel ist in Vorbereitung, wenns dann soweit ist, werde ich das Zerlegen und Reinigen mit Bildern dokumentieren. Sicher werde ich zwischendurch immer wieder mal nachfragenmüssen, ob ich alles richtig mache.

Wenn dann irgendwann alles funktioniert haben sollte, werden wir ein prima Anleitung zum Zerlegen, Reinigen und evtl. Justieren alter Objektive/Verschlüsse haben. Wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da ich zeitlich noch etwas knapp bin.

Liebe Grüße - Reinhold


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#3

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 17.07.2009 06:31
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Bildernachtrag.
Voigtländer Heliar aus der 6x9 Bergheil.
- Der Messschieber ist an den Spitzen auf 1mm angeschliffen.
Er dient ähnlich wie das Blechteil als Steckscklüssel zu den Hutmuttern.
1.) Zum öffnen der Befestigungsmutter des ges Objektivs am Bajonet der Bergheil.
2.) Zum öffnen der hinteren Objektivhälfte.

Gut zu sehen die 2 Objektivhälften. Jede abschraubbare Hälfte ist eine zusammengefügte Einheit aus mehreren Linsen die aber nicht weiter auseinander fällt.
Zusammen ergeben sie das 5-Linser Heliar-Objektiv.
Gruß Berthold

Angefügte Bilder:
Bergheil-Werkzeug-A-020.jpg
Bergheil-Werkzeug-A-010.jpg
Bergheil-Werkzeug-A-005.jpg

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#4

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 29.07.2009 10:58
von randomT • Mitglied | 2 Beiträge

Ich hab vor geraumer Zeit mal eine Bergheil auseinander genommen und gereinigt (Objektiv und verschluss), der Verschluß läuft seitdem sehr gut, aber ich bekomme sie nicht so richtig scharfgestellt. Leider hab ich aber auch nicht darauf geachtet wie es vorher war, bzw. hab keinen richtigen Vergleich (weil der Verschluss vorher überhaupt nicht mehr ging), daher meine Frage: kann es sein, dass man die Linsen noch irgendwie justieren muss? Oder könnte das Problem evtl. daran liegen, dass ich in meinem unbedarften Eifer die Linsenvergütung zerstört habe? Vorher war das Objektiv sehr trüb, jetzt nicht mehr, dafür hat es starke Reflektionen. Mir ist leider erst hinterher aufgegangen, dass die Trübe evtl. garnicht so schlimm gewesen wäre.

Viele Grüße,
tim


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#5

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 29.07.2009 16:36
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Tim
Die Linsen hatten Damals noch keine Vergütung.

> Vorher war das Objektiv sehr trüb, jetzt nicht mehr, dafür hat es starke Reflektionen.

Eine Gegenlichtblende oder Abschattung der Linseneintrittsfläche ist Pflicht wenn stark reflektierendes Licht vorhanden ist.
> aber ich bekomme sie nicht so richtig scharfgestellt
Frage: Die Schärfe liegt falsch oder es fehlt an der richtigen Schärfe?
Es sind einige sehr sensible Heliare am Markt, die Blenden !und! Entfernugsabhängig sind. Das macht sie aber für einige Benutzer sehr Wertvoll. Also versuch/teste mal die Blenden 6,3 9 und 11 in der Entfernung um 6 Meter und die letzte mit f16 auf unendlich. Da müsste dann auf jeden Fall etwas scharfes dabei sein.
Die Linsen sind bis zum Gewindeanschlag einzuschrauben. Das ist dann der passende Norm-Abstand von Linse zu Linse.
Gruß Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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#6

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 29.07.2009 17:15
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hier die Erfahrungen von PM zu seinem Heliar 12cm/6x9

F 8 10Meter Knack Scharf
F 8 15Meter Gute Lichtstimmung
F 4,5 ..5,6 Unendlich Beste Ergebnisse
F 4,5 ..5,6 3Meter Harmonische Ergebnisse
F 4,5..8 1..2Meter deutlich duftige Schärfe
F 11...16 1..5Meter mässig
F 11...16 Unendlich unertragbar

Meine 3 Heliare (f10,5cm 12cm, 12cm) sind aber keine Mimosen. Schade.

RADA 6x9 Rollfilmkassetten.
Soltest Du mit der Rada-Kassette arbeiten dann noch mein Tipp:
Der Verschluß des Deckels selbst ist mit 3 Nieten angenietet. Diese Nieten ragen in den Filmraum und haben bei mir für Telegraphendrähte gesorgt. Diese 3 Nieten mit Tesafilm überkleben, dann ist das Problem flutschig beseitigt.
Die Planlage habe ich bei mir auch vebessern können. Auf die Filmandruckseite des herausnehmbaren Rollfilmeisatzes habe ich einen dünnen Zeichenkarton aufgeklebt. Mit dem doppelseitigem Tesaklebeband geht das problemlos. Vorher das äussere Filmnummernbetrachtungsloch in dem Karton freischneiden.
Wenn alles gut sitzt mit einem weichen Graphilthaltigem Bleistift die gesammte Rutschfläche einstreichen. Das rundet die leichten Pappkanten ab und dient gleichzeitig als besseres Gleitmittel für das Filmpapier.
Früher war das Schutzpapier und einige Filme wohl dicker, da passte das besser. Bei mir wurde die Planlage jedenfals besser.
Gruß Berthold


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
zuletzt bearbeitet 29.07.2009 17:16 | nach oben springen

#7

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 29.07.2009 22:54
von randomT • Mitglied | 2 Beiträge

Hallo Berthold,

vielen Dank für deine Ausführungen! Das Problem ist eher die allgemeine Schärfe, sprich wenn ich versuche scharf zu stellen wird das Bild (auf der Glasscheibe) von unscharf zu schärfer und dann wieder unscharf, bevor es richtig scharf wird. Es kann natürlich sein, dass das auch an dem Glas liegt und auf Film besser ist, so genau kann ich das nicht sagen, ich habe bislang erst zwei Filme aufgenommen und bislang keine Abzüge gemacht, und nur die Negative angeguckt.

Dass das Bild bei starkem Abblenden schlechter wird, war mir auch schon aufgefallen, gut zu wissen, dass das evtl. normal ist. Ich werde mal eine Testreihe machen und dann einscannen, das ist sicher aussagekräftiger, als wenn ich versuche das hier zu beschreiben. Was genau ich für eine Rollfilmkasette hab weiss ich nicht, es steht "rollex-patent" drauf. Ich bin aber auch an Planfilmaufnahmen interessiert.

Viele Grüße,
Tim


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#8

RE: Alte Verschlüsse Reparatur-Pflege, Bergheil.

in Kameratechnik, Objektive, Blitzgeräte 30.07.2009 00:14
von BertholdSW • Mitglied | 2.407 Beiträge

Hallo Tim
rollex-patent-Kassetten sind schon was besseres und somit keine RADA-Kassette.
Die Mattscheiben sind auch oft sehr rauh. Da kann man nur grob die Mitte von Scharf/Unscharf finden.
Der Anschlag vom gesammten Schlitten aber ist in der Original-Bergheil exakt auf unendlich eingestellt worden. Jedes Objektiv wurde eigens vermessen. Es gab von der Werkseite unterschiedliche Entfernungsskalen, die dann passend an die Bergheil montiert wurden.
Bei jeder neuen Bergheil lag dann so eine Art Vermessungsprotokoll bei.
Deutsche Wertarbeit eben!!!
Belichte bitte erst einmal einen neuen Film und schreibe all Deine Einstellwerte auf.
Mit einer guten Lupe kann man später gut die Qualität im Negativ dann ausgucken.
Wenn möglich, leg einige Bildzeitungen verstreut ins Motiv. Bei Texten kann man ganz optimal die erreichte Schärfe bewerten und in den Negativen vergleichen.
Gruß Berthold.


Man hat immer 3 Möglichkeiten! Immer!!!
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