#1

Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 04:33
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Da dieses Forum ja inzwischen für alle Themen, auch rein Digital, offen ist, möchte ich hier mein neuestes Machwerk vorstellen.
Ich habe bereits vor einem Jahr meinen ersten Aufbau eines Laserbelichters für Fotopapier gemacht und damals im APHOG gezeigt.
Noch sehr provisorisch, wie man auf dem Bild sieht:



Das Fotopapier habe ich damals nur mit Tesa an dieses Paket geklebt.
Die maximale Bildgröße war so ca. 15x20cm. Darauf mussten alle 3 Laserquellen separat fokussiert werden. Eine Heidenarbeit.
Aber die Ergebnisse waren schon sehr ermutigend. Die Bildqualität war super, aber die Arbeit damit sehr umständlich.

Im Laufe des letzten Jahres dann habe ich einige Nachforschung betrieben, wie solche Belichter wie die Durst Theta oder Lambda und auch alle Arten von Trommel- und Capstan-Belichtern für Filme funktionieren.
Ich wollte dann eigentlich einen Durchlaufbelichter bauen, aber momentan hänge ich da an einem schweren Grundlagenproblem und komme nicht weiter.
Da ich dann aber mal endlich wieder Bilder machen wollte habe ich erstmal meinen alten Aufbau hergenommen und die Erkenntnisse daraus in einen verbesserten Aufbau fließen lassen.

Vorgabe war:
1. Die Laser müssen temperaturstabilisiert sein. Der alte Aufbau war es nicht und ich hatte ständig Probleme mit Leistungsschwankungen.
2. Die Bildgröße soll stufenlos einstellbar sein.
3. Der Fokus soll bequem einstellbar sein.
4. das Teil soll einigermaßen stabil sein und nicht so ein Klapperteil wie Anfangs.
5. Eine Auflösung von >300 DPI bei A4-Format wäre wünschenswert.

Es lag nahe, so ein Gerät in Form eines Vergrößererkopfs zu bauen. Denn dann kann ich wie gewohnt das Papier in den Maskenrahmen legen und von oben belichten.
Um das Ding für meinen Durst kompatibel zu machen, habe ich mir erstmal ein Chassis, also einen Kopfträger für 20,- Euro besorgt.



Diesen dann von Obektivbühne und Balgen befreit und eine 8mm starke Aluplatte als Grundplatte für den Aufbau angefertigt.
Der Laserscanner wird an der Unterseite angebracht und die 3 Laser sowie die gesamte Optik auf der Oberseite.



Drei Diodenlaser mit den Grundfarben Rot, Grün und Blau werden kombiniert und über eine verstellbare Fokusoptik auf eine X/Y-Scanner gelenkt, der nach unten hin eine über das Papier wandernde Bildzeile scannt.
Die Bilddaten kommen von einem PC, auf dem ich eine speziell dafür geschriebene Software laufen habe.
Eigentlich ganz simpel - theoretisch!

Der Kopf in einer ersten Bauphase:



Alles was auf der Grundplatte keinen Platz hat, also Netzteil und sonstige Steuerelektronik habe ich auf das obere Stockwerk verlagert, welches nur aus einem dünnen Alublech besteht.
Vorne sieht man die Gewindestange, die aus dem Kopf herausragt und über die ich fokussieren kann. Die Fokuslinse sitzt dazu auf einer kleinen CNC-Linearführung und wird einfach über die Gewindestange bewegt.

Nach gefühlt 1000 gebohrten Löchern und geschnittenen Gewinden, Farbsprühorgie und Verkabelei dann "First Light".
Noch ohne Scanner. Der Laser geht einfach gerade aus dem Loch nach unten heraus.
Natürlich muss alles penibel justiert werden, damit alle 3 Laser möglichst deckungsgleich übereinander liegen.
Neben dem Laserblock mit den 3 Laserdioden sieht man die jeweilige Ansteuerelektronik und eine für die Temperatur. Der Laserblock sitzt auf einem Peltierelement und wird exakt auf 20°C gehalten. Somit gibt es keine Farbschwankungen mehr, wenn der Rest sich aufheizt.



Nachdem alles geprüft wurde, den Laserscanner nebst Treiberelektronik an die Unterseite montiert.




Die geometrische Ausrichtung der Bildachsen schließt den Aufbau ab.
Das ist ganz schön tricky! Denn wenn der Strahl nur in einem leicht schrägen Winkel auf die Spiegel der Scanner trifft, handelt man sich eine massive Verzerrung (Skew) ein.



Es kann endlich losgehen!


Wird bei Interesse fortgesetzt...

Gruß

Joachim


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#2

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 06:51
von DD_Ihagee • Moderator | 3.013 Beiträge

Ich habe Deinen Enthusiasmus schon bewundert, als Du das Projekt bei Nachbars vorgestellt hattest.

Zitat von JoJo im Beitrag #1
...Wird bei Interesse fortgesetzt...

Sehr gern!

VG
Holger


___________________________
Res severa est verum gaudium

Seneca
___________________________


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#3

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 11:06
von brainslicer • Mitglied | 99 Beiträge

Ist schon ziemlich interessant, weil solch ein Belichter die Lücke schließen würde von digital nach analog.
Aber mal 'ne Frage. Wo bekommt man denn für kleines Geld die RGB-Laserkanone her? Oder ist die auch selbst gebaut?
Und ich verstehe die Kissenverzerrungen nicht im letzten Bild. Du arbeites doch nur mit Spiegeln, und da Einfalls- gleich Ausfallswinkel ist dürfte do so etwas gar nicht passieren.


zuletzt bearbeitet 30.01.2016 11:11 | nach oben springen

#4

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 11:12
von namir • Mitglied | 2.452 Beiträge

Wahnsinn!


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#5

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 12:22
von Rainer Zalewsky • Mitglied | 531 Beiträge

Unglaublich! Alle Achtung, Joachim!

Gruß,
Rainer Zalewsky


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#6

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 13:13
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Zitat von brainslicer im Beitrag #3
Ist schon ziemlich interessant, weil solch ein Belichter die Lücke schließen würde von digital nach analog.
Aber mal 'ne Frage. Wo bekommt man denn für kleines Geld die RGB-Laserkanone her? Oder ist die auch selbst gebaut?
Und ich verstehe die Kissenverzerrungen nicht im letzten Bild. Du arbeites doch nur mit Spiegeln, und da Einfalls- gleich Ausfallswinkel ist dürfte do so etwas gar nicht passieren.


Naja, kleines Geld.. hmmm.
Ich habe beruflich mit Lasern zu tun, da komme ich an solche Sachen leicht ran. Den RGB-Laser habe ich selbst zusammengebaut. Die Komponenten, wie Dioden, Halter, Optiken und Dichros gibts zu kaufen. Scanner und Elektronik stelle ich her. Man müsste aber schon 1500,- Euro für alles rechnen, ohne die Arbeitszeit.
Der Laser ist da fast noch das billigste Teil. Die Teile hierfür kosten so 250,- Euro.
Ein Scanner z.B. kostet um 600,- Euro. Gibts auch für 150,-, ist dann aber Schrott.
Klar, zum Spielen reichts. Wenn man aber "richtige" Bilder will, muss man schon präzise Teile nehmen.
Auch die Treiberschaltung für die Laserdioden ist von mir. Die muss sauber linear anzusteuern sein und sinnvollerweise auch schnell. Ich kann die Laser bis 1MHz modulieren, so dass ich 200.000 Pixel pro Sekunde scannen kann, ohne dass die Pixel verwischen. Mehr gibt momentan die Datenübertragung nicht her.
Sonst wartet man ja ewig, bis das Bild mit 8 Megapixel belichtet ist.

Die Kissenverzerrung kommt von der Projektion auf die Ebene. Die Spiegel drehen sich. Durch die Drehung von einem Punkt aus gesehen steigt mit zunhemendem Winkel die Strecke auf der Ebene an. Bei 90 Grad wäre diese ja theoretisch schon unendlich lang.
Der Bogen rechts und links kommt daher, dass man 2 Achsen hat. Wäre es ein Spiegel, der dreidimensional in alle Richtungen bewegt, gäbe es ein echtes Kissen.
Die Skizze zeigt das:



Mein Programm zur Aufarbeitung der Bilddaten rechnet diese Verzerrung aber raus. Das alleine war schon eine größere Aktion.
Bei dem Testsetup war die Entzerrung nicht aktiv, weil ich da die Scanner mit einer anderen Software angesteuert habe.


Gruß

Joachim


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#7

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 30.01.2016 20:21
von Aldiloia • Mitglied | 207 Beiträge

Verbeugende Hochachtung: Dieter


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#8

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 31.01.2016 00:32
von brainslicer • Mitglied | 99 Beiträge

Holla die Waldfee! Das ist aber Physik und Elektronik und Informatik für Experten! An so ein dickes Brett würde ich mich nicht ranwagen, vor allem wenn man so viel Geld reinstecken muss.
Ich habe aber al eine ganz andere Frage. Mit dem RGB-Laser wilst du doch Farbbilder printen. Aber dazu braucht man eigentlich CMY-Laser, den es meiens wissen gar nicht gibt. So wie iches verstanden habe kann man zwar dem menschlichen Auge Cyan durch mischen von Blau und Grün vorgaukeln, aber ich habe dann ein additives Spektrum von 470 nm und 510 nm. Lässt sich damit Colorpapier auch überlisten?


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#9

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 31.01.2016 03:23
von JoJo • Mitglied | 1.728 Beiträge

Da hast Du etwas verwechselt.
Farbpapier (und Film) ist empfindlich für R, G und B und produziert in der R-Schicht cyanfarbenen-, in der G-Schicht magentafarbenen- und in der B-Schicht gelben Farbstoff.


Gruß

Joachim


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#10

RE: Digitalvergrößerer Selbstbau

in Dunkelkammer & Entwicklung 31.01.2016 08:56
von brainslicer • Mitglied | 99 Beiträge

Da ich mich mit Farbentwicklung bisher nicht beschäftigt hatte (weil zu kompliziert), wusste ich nicht, dass es analoge CMY- und digitale RGB-Papiere gibt.
Jetzt bin ich wieder was schlauer


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