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kleiner Objektivtest Jupiter-3 -- Industar 50

in Erfahrungsberichte 24.11.2015 08:56
von bilderknipser • Moderator | 9.358 Beiträge

Beides sind russische Objektive mit Leica-Schraubanschluß M39 für Meßsucherkameras.

Jupiter-3 1,5/50 7 Linsen in 3 Gruppen Sonnar-Typ
Industar-50 3,5/50 4 Linsen in 3 Gruppen Tessar-Typ versenkbar

Den Vergleichstest habe ich nicht analog sondern mit der MFT-Digi gemacht. Das hat 2 Nachteile: durch den 2x-Crop meiner Digi kann ich keine Aussagen über die Randschärfe treffen. Außerdem ist eine Schärfebeurteilung des Jupiter-3 bei offener Blende wegen des Streulichts in der Kamera (Sensor deutlich kleiner als der Bildkreis) nicht sinnvoll möglich. Aber darauf kam es mir auch nicht an. Ich wollte wissen, wie es sich bei gleichen Blenden verhält nämlich 4, 5,6 und 8.

Zunächst: Das Industar-50 ist schärfer. Auch bei Blende 8 ist das Jupiter nicht so scharf wie das Industar bei Offenblende. Das Jupiter ist aber keinesfalls unscharf.

Das Industar wird durch Abblenden noch etwas besser.

Erstaunt hat mich beim Jupiter, daß Abblenden die Schärfe nicht wesentlich erhöht. Ab 2,8 sehe ich praktisch keinen Unterschied mehr. Möglicherweise ist es für die Fotografie mit offener Blende optimiert.

Für den allgemeinen Gebrauch würde ich das Jupiter bevorzugen, aber für Landschaft und andere anspruchsvollere Motive ist das Industar deutlich besser geeignet.

Das Handling ist bei beiden Objektiven gewöhnungsbedürftig. Die Blenden rasten nicht, wie bei den russischen Objektiven üblich. Beim Industar kann man die aber kaum versehentlich verstellen. Mein Jupiter ist die alte Version, wo Fokus- und Blendenring weit voneinander entfernt sind. Das ist ok. Bei den neuen, meist schwarzen Versionen ist das aber ganz unglücklich. Nicht nur kann man die mit der Kamera am Auge leicht verwechseln, sondern der Blendenring dreht sich auch mit der Entfernungseinstellung. Das versenkbare Industar hat keinen Fokusring sondern so einen Fokushebel. Kann ich garnicht leiden. Zu allem Übel rastet der bei unendlich auch ein. Keine Ahnung wozu das gut ist. Das Versenken ist natürlich praktisch und würde aus meiner FED eine Taschenkamera machen, wenn sie nicht so schwer wäre.

Noch ein paar Worte zur Verwendung an einer Digi:
Das Jupiter ist an MFT natürlich eine wunderbare Porträtbrennweite adäquat 1,5/100. Daß es bei Offenblende wegen Streulicht in der Kamera überstrahlt, kann dabei auch durchaus positiv sein, weil das einen schönen Weichzeichnereffekt (nicht Unschärfe) ergibt ein wenig wie Hamilton aber bei weitem nicht so stark. Leicht abgeblendet ist es dafür uneingeschränkt brauchbar, finde ich.

Beide Objektive glänzen übrigens durch weitestgehende Abwesenheit vom gefürchteten purple fringing, das bei adaptierten Objektiven ja häufig vorkommt.

Das Industar kann ich keinesfalls zum Adaptieren empfehlen, weil es versenkbar ist. Da macht man sich allzuleicht was kaputt in der Digi. Außerdem verhindert bei meinen Adapter diese Einrastmechanik eine Einstellung auf mehr als 20 Meter.

Wenn ich mal mit einem 100er Diafilm unterwegs bin, mache ich auch analoge Testbilder.


Gruß
Jochen
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