#1

Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 13.09.2009 11:24
von Gelöschtes Mitglied
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Alte Zentralverschlüsse sind häufig verharzt und manche Zeiten hängen oder laufen zu langsam ab. Mit einem einfachen Mikrofon, PC-Soundkarte und einem Audioprogramm wie z.B. Audacity lässt sich die tatsächliche Verschlusszeit von Sekunden bis etwa 125tel relativ genau ermitteln. Bei noch kürzeren Zeiten kann man im Gemenge nichts gescheites mehr erkennen, die Geräusche vom Öffnen und Schließen gehen ineinander über.

Meine Adox Sport mit Prontor-S hatte auch dieses Problem. Verschluss ausgebaut und in Isopropanol gelegt. Die hängenden Zeiten liefen im nassen Zustand sofort wieder. Alle Zeiten ein paar mal durchgenudelt und über Nacht im Alk liegen gelassen. Am nächsten morgen dann nochmal alles durchgenudelt, ein paar Stunden den Alk verdampfen lassen.

Der Selbstauslöser läuft wieder ohne zu stocken, aber nicht alle Zeiten liefen im trockenen Zustand ab. Fehlt dann doch wieder etwas Schmiere. Mit einem Zahnstocher winzige Mengen säurefreies Öl (normales Maschinenöl in dem Fall) an ein paar Stellen die mir sinnvoll erschienen, aufgetragen. Nicht ungeduldig sein, es braucht wieder ein paar Stunden, bis sich das Öl verteilt. Immer wieder mal die Zeiten ablaufen lassen und kontrollieren. Und nimmst du zuviel Öl, landet es nach 2 Wochen auf den Verschlusslamellen und dann geht wieder nichts. Aber mit der Zahnstochermethode hat es wunderbar geklappt.

Jetzt zum Messen. Einfaches Mikro mit Ministecker an die Soundkarte vom Rechner angeschlossen, das Auslösegeräusch habe ich dann mit Audacity (Freeware, open source) aufgenommen und ausgewertet. Man muss ganz schön reinzoomen und die Lautstärke hochdrehen bis man was sieht. An der Zeitachse kann man dann die Peaks vom Öffnen und Schließen ablesen. 0,02 Sek Abstand entsprechen dann einer 50tel.

Bei der Aktion kann man dann gleich alle Linsen einer gründlichen Reinigung unterziehen. Erst mal mit Spüli und lauwarmem Wasser. Dann Alk. Auch dafür habe Isopropanol genommen, 100 ml aus der Apotheke haben mich 2,80 gekostet, ein Refill der Flasche kommt auf 1,70. Jede Menge Wattestäbchen und Zellstoff-Papier braucht man. Nie mit einem benutzen 2 mal reinigen. Das verteilt den Schmodder nur wieder. Pro Linse gehen da schnell mal 10-20 Wattestäbchen und entsprechende Mengen Papierschnipsel zum trocknen drauf. Selbst die kleinen weißen Pünktche in der Vergütung, die angeblich nicht weggehen, aber auch der Bildqualität nicht Schaden sollen, habe ich deutlich reduziert. Die Linsen begutachtet man im Gegenlicht, aber vor einem dunklen Hintergrund. Nicht erschrecken!

Adox Sport mit Prontor-S, Verschluss gereinigt: alle Zeiten laufen mit max. 5% Abweichung, die 100tel z.B. real eine 105tel. Mit Tendenz zu eher schneller bei allen Zeiten. Hat sich gelohnt. Exakte Zeiten, schnurrender Selbstauslöser und super saubere Linsen. Was will man mehr.

Braun Paxina mit Prontor, nur gemessen, ungereinigter Verschluss: 25 = 16, 75 = 45, 200 nicht messbar. Also satt zu langsam. Kommt auch noch dran.

Agfa Silette vom Flohmarkt, ungereinigt, gleiches Bild wie bei der Paxina, alle Zeiten bis 100% (!) zu langsam, 1/2 und 1 Sek hängen. Muss auch noch gereinigt werden.

Eine äußerst lohnende Arbeit, man hat anschließend wieder eine technisch neuwertige Kamera, wenn sonst nicht richtig was kaputt ist.

Noch ein interessanter Link, einfacher selbstgebauter Verschluss-Tester auf Fotodioden-Basis: http://www.geocities.com/Yosemite/2131/shspeed.html

Liebe Grüße und frohes Putzen - Reinhold


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#2

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 04.10.2009 11:19
von Gelöschtes Mitglied
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Die Agfa Silette hat nun auch eine Verschluss- und Linsenreinigung hinter sich. Prontor-SVS, neue Zeitenreihe. Die bis zu 2-fach zu langen Zeiten sind jetzt durchgängig nur noch ca. 10-15 % zu langsam, die 60tel z.B. ist real eine 50tel. Das entspricht ca. 1/6 Blende Überbelichtung, ist also tolerabel. Fast könnte man annehmen, man hat auf den Verschluss mit der alten Zeitenreihe (1,2,5,10,25,50,100,250) einfach die neuen Zeiten draufgeschrieben ohne was zu ändern. Aber es fehlt bei der alten Reihe natürlich eine Zeit.

Das ganze Feeling und die Geräusche sind wie nagelneu. Nur die Gebrauchsspuren am Gehäuse zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Sie wurde um 1957 gebaut und ist damit ungefähr so alt wie ich. Die Silette ist wieder uneingeschränkt alltagstauglich, der Filmtransport und das Gehäuse machen einen unkaputtbaren Eindruck. Wenn Jens (Strind77) von der Panzer-Franka erzählt, auf die Silette trifft dieses Wortspiel wirklich zu. Damit kann man ein ausgewachsenes Wildschwein erschlagen, die Kamera wird es überleben. Jetzt ist sie wieder fit für die nächsten 50 Jahre und wird mit Sicherheit mich überleben.


zuletzt bearbeitet 04.10.2009 11:28 | nach oben springen

#3

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 04.10.2009 20:28
von strind77 • Mitglied | 270 Beiträge

Ich hab gerade irgendwo einen Artikel über die Prontor-S(VS) Verschlüsse gelesen. Da hieß es, dass der Verschluss im Vergleich zum alten Prontor, Compur Rapid und Synchro-Compur etwas "grobschlächtiger" daherkommt, was das feinmechanische angeht. Kannst Du das bestätigen?

OT: Welche Silette ist es denn? Da gabs ja zig verschiedene Varianten! Die ersten sind wirklich massive Teile. Ob sie allerdings einem ausgewachsenen Keiler standhält? Wäre doch mal einen Test wert, Reinhold!


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#4

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 04.10.2009 22:10
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Jens,

ob die Prontor-SVS-Verschlüsse schlechter sind als die Prontor-S kann ich nicht beurteilen. Denn ich zerlege sie nicht, ich reinige und schmiere sie nur neu, und das waren bisher auch nur 2 Stück. Die allermeisten alten Prontore haben verharztes Fett, auch wenn sie noch ohne zu stottern laufen. Spätestens bei der Verschlusszeitmessung merkt man das dann. Laut Certo6 sind die Prontore längst nicht so anfällig wie die Compure, echte Defekte sind demnach um den Faktor 8(!) seltener. Das bessere Image der Compure wird so durch die extremen Langzeitbeobachtungen relativiert.

Die Silette ist von der ersten Baureihe, also ab 1954. Mit 3,5/45 Apotar und sonst ohne Schnickschnack. M.E. eine völlig unterschätzte grundsolide Kamera, die man so gut wie geschenkt bekommt. Mit einem Solinar sicher ein Topteil und eine extrem robuste Reisekamera. Jedenfalls die mechanisch solideste Kamera, die ich jemals in meinen Fingern hatte. Mal von den berühmten roten Punkten abgesehen....

LG Reinhold


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#5

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 04.10.2009 22:16
von strind77 • Mitglied | 270 Beiträge

Ich hab mal in einer Schauvitrine offene Verschlüsse gesehen. Und so ein Synchro-Compur ist schon hohe Uhrmacherkunst, was da in dem Gehäuse so schlummert. Sehr difizil das ganze. Daher würde mich eine erhöhte Defektrate bei unsachgemäßem Umgang nicht wundern! Schier unverwüstlich scheinen die alten Prontor II Verschlüsse zu sein! Okay, verharzen können die auch. Aber alle Prontor II in meinen Frankas laufen ab. Und die Dinger sind meist 70 Jahre und älter.


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#6

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 07.12.2009 21:41
von Dieter Imbsweiler • Mitglied | 19 Beiträge

Ich habe mich hier neu angemeldet, nachdem ich seit fast 20 Jahren Abstinenz wieder analog fotografieren möchte. Ich habe mich von Beiträgen aus den Foren von den Faltern begeistern lassen und besitze mittlerweile 3 Nachkriegs-Nettars von Zeiss Ikon sowie eine Weltax mit Tessarobjektiv.
Alle Kameras sind in gepflegtem Zustand, allerdings will ich die Verschlüsse reinigen, da die langen Zeiten nicht sauber laufen. Leider weiß ich nicht, wie ich die Reinigung bewerkstelligen soll. Daher meine Bitte um Unterstützung.

@ Grommi:
Du schreibst, dass du die Verschlüsse ausbaust, aber nicht zerlegst. Wie kann ich mir das vorstellen? Hast du die komplette "Verschluss-Linsen-Lamellen-Einheit" bestehend aus der hinteren Linse, vorderer Linse und den Blenden- und Verschlußlamellen und dem mechanischen Verschluss in einem Stück gereinigt? Oder hast du die vordere und hintere Linse herausgeschraubt und nur die Verschlussmechanik gereinigt?
Du siehst, ich habe leider keine Ahnung! Ich möchte die Falter wieder in Bestzustand versetzen und damit aktiv fotografieren. Die einfachen Arbeiten kann ich ganz gut machen, nur an die Verschlussreinigung traue ich mich noch nicht heran. Über eine Anleitung würde ich mich daher sehr freuen.

Herzliche Anfänger-Grüße aus dem Saarland
Dieter


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#7

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 07.12.2009 21:53
von Gelöschtes Mitglied
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Komplettes Objektiv ausbauen. Dazu von hinten die Ringmutter lösen, schon ist das Ding raus. Die übliche Dreilinser haben vorne 2 und hinten 3 Linsen. Auch die werden herausgeschraubt. Dann hast du den Verschluss mit integrierter Blende "nackig". Der kommt so wie er ist in Isoprop. In nassem Zustand sollten alle Zeiten sofort wieder laufen.

Ich habe die 2. vordere Linse mal nicht herausbekommen und einfach drangelassen. Von hinten kann man sie dann bei geöffneter Blende und Verschluss endgültig säubern.

Zum lösen der Ringmuttern brauchst du Spezialwerkzeug oder Phantasie. Manchmal lassen sie sich aber auch einfach mit einem Schlitzschraubenzieher bewegen.

Anschließend muss natürlich der Fokus wieder auf unendlich justiert werden.

LG Reinhold


zuletzt bearbeitet 07.12.2009 21:55 | nach oben springen

#8

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 07.12.2009 22:47
von Gelöschtes Mitglied
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ein paar nützliche Hinweise findest du hier:
http://www.rolandandcaroline.co.uk/repair.html


zuletzt bearbeitet 07.12.2009 22:48 | nach oben springen

#9

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 07.12.2009 23:13
von Dieter Imbsweiler • Mitglied | 19 Beiträge

Hallo Reinhold,

vielen Dank für Deine Erläuterungen.
Das werde ich in einer ruhigen Stunde versuchen.

Soweit ich es beurteilen kann, werde ich die 2. vordere Linse bei der Nettar (Modell 518/16) wohl auch nicht herausbekommen - ich wüßte nicht wie, es gibt kein Gewinde, keine Schrauben oder ähnliches. Die erste ging noch recht einfach.

Ist Isoprop. vergleichbar mit Feuerzeugbenzin oder sogar besser?
Welche Verdünnung soll ich nehmen?

Vielen Dank
Dieter


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#10

RE: Zentral-Verschluss reinigen und messen

in Erfahrungsberichte 07.12.2009 23:18
von Gelöschtes Mitglied
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Feuerzeugbenzin wird häufig empfohlen, hinterlässt aber einen ekligen Schmierfilm auf den Linsen, wenn man sie nicht abkriegt. Ich nehme Isoprop unverdünnt. In der Apotheke ca. 2,- €/100ml. Damit reinige ich auch die Linsen.


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