#1

Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 19:49
von Frank • Mitglied | 208 Beiträge

Hallo Fotofreunde!
Ich habe nun schon so oft gelesen, daß man Filme "pushen" kann, also die Kamera auf andere Empfindlichkeit einstellen und dann dementsprechend anders zu entwickeln.
Kann mir da jemand eine kurze Anleitung geben, was für Vor-/bzw. Nachteile hat das, was kann man damit erzielen? Wann macht es Sinn? Welche Effekte kommen dabei heraus?
Bin für jedes Statement dankbar, weil mich dieses Thema mehr und mehr interessiert, je mehr ich darüber lese und ich sowieso sehr experimentierfreudig bin.
Vielen Dank einstweilen und Grüße vom
Frank


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#2

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 19:55
von hornilla • Mitglied | 2.895 Beiträge

Hallo Frank,

ich hab bisher erst einmal versucht einen APX 400 mit Rodinal zu pushen. Das war absoluter Quatsch. Es gibt aber bestimmt Film-Entwickler-Kompinationen, bei denen das sehr gut geht.

Der eigentliche Gedanke dahinter ist, mit einem bspw. 400 Film wie einem 800 oder gar 1600 zu belichten, wenn man einen solchen grade nicht da hat, die Lichtsituation aber nichts anderes zulässt. Man entwickelt ihn (bei SW zumindest) entsprechend länger (Angaben gibts im Internet, manchmal auch beim Entwickler selbst) und erhält dementsprechend auch höhere kontrast. Teilweise so viel, dass es echt nicht mehr schön ist, aber wie gesagt, die FIlm-Entwickler-Kombination machts.

Mehr kann ich dir aber leider auch nicht sagen. Mir fehlt die Erfahrung.


Gruß,
Christoph


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#3

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 20:19
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge
Hi Frank,

Du kannst Filme pushen oder pullen, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus:

Pullen (also knapper belichten als die ISO-Empfindlichkeit) lohnt sich bei den meisten SW-Filmen, da diese ihren vollen Leistungsumfang bei nicht voll ausgereizter, vom Hersteller angegebener Empfindlichkeit erreichen. Zum Beispiel kommen der
- APX 100 bei ASA 80 oder ASA 64
- FP4+ bei ASA 100 oder ASA 80
- APX 400 bei ASA 250
besonders gut. Auch Farbdiafilme lassen sich gerne mit 1/3 Blendenstufe knapper belichten, da dann die Farben schöner herauskommen.

Ein Grund, einen Film zu Pushen (also mit höherer Empfindlichkeit als angegeben), könnte zum Beispiel die Erforderlichkeit sein, bei schlechtem Licht mehr Reserven zur Verfügung zu haben. Ilford gibt z.B. für seinen HP5+ (ASA 400) an, dass dieser Film von ASA 200 - ASA 3200 belichtet werden kann. Brauchst Du also mal einen Film mit ASA 1600 und konntest Dir vorher z.B. nicht den Fuji Neopan 1600 Prof. zulegen, dann wäre es immerhin eine Lösung, den Film auf ASA 1600 zu belichten.

So, wie geht das nun?? Es gibt zwei Möglichkeiten:
1. über die Eingabe der Empfindlichkeit am Belichtungsmesser. An modernen elektronischen Kameras kannst Du mit wenigen Knopfdrücken (schau mal in Dein Handbuch - welche Kameras hast Du?? Bei Canon könnt ich es Dir, je nach Modell, evtl sagen) einfach die ISO des eingelegten Filmes ändern. Bei alten Kameras, wo Du die Filmempfindlichkeit z.B. an einem Handrad eingeben musst, stellst Du einfach einen anderen Wert ein, z.B. statt ASA 400 einfach ASA 800.
2. Du belichtest einen Film kontinuierlich über oder unter. Wenn Du eine Minuskorrektur um 1 Blende machst (den Film also eine ganze Blende unterbelichtest) verkürzt Du damit die Verschlusszeit bei gleicher Blende. Das heißt, Du behandelst den Film, als hättest Du z.B. statt einem 100er einen 200er in der Kamera. Wenn Du diese Minuskorrektur während des gesamten Filmes nicht änderst, hast du ihn gepusht.
Du kannst auch eine kontinuierliche Pluskorrektur vornehmen, also den Film komplett mit einer Blende zu hell belichten. Das verlängert bei gleicher Blende die Verschlusszeit, lässt also mehr Licht auf den Film, als wäre er niedriger empfindlich. So machst Du z.B. bei einer Korrektur von einer Blende aus einem 400er einen 200er.

So. Nun musst Du den Film auch entsprechend entwickeln, damit Du nicht einen über-/unterbelichteten Film hast. Bei selbst entwickelten Filmen verlängerst bzw. verkürzt Du hierfür die Entwicklungszeit entsprechend, siehe z.B. den Entwicklungsrechner von Phototec - hold steht für Pullen, Push erklärt sich mittlerweile für sich selbst.

Wenn Du einen Film in ein (Groß-)Labor geben solltest, vermerk unbedingt auf der Tüte, dass Du den Film um z.B. 1 Blende gepusht oder gepullt haben willst. Oder - so hab ich's bei meinem gepushten 200er Diafilm gemacht - Du überklebst den DX-Code auf der Patrone mit einem Klebezettel, auf den Du schreibst "Bitte mit ASA 400 entwickeln".

Gruß
Sven



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Meine Handwerkszeuge: EOS 5D, EOS 5D MK II, EF 24-105/4 L IS USM, EF 70-200/2.8 L USM, EF 50/1.8 II, Cosina AF 19-35/3.5-4.5 Digital, Sigma 12-24 F4.5-5.6 II DG HSM; Canon PowerShot SX50 HS; Yongnuo YN-568 EX II, YN-622C; Panasonic Lumix DMC-G6, Lumix Vario 14-42/3.5-5.6 asph./Mega O.I.S., LUMIX G VARIO 45-150mm / F4.0-5.6 ASPH MEGA O.I.S.
zuletzt bearbeitet 03.04.2008 20:19 | nach oben springen

#4

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 20:28
von kugelfisch • Mitglied | 2.759 Beiträge

Zitat von hornilla
Hallo Frank,

ich hab bisher erst einmal versucht einen APX 400 mit Rodinal zu pushen. Das war absoluter Quatsch. Es gibt aber bestimmt Film-Entwickler-Kompinationen, bei denen das sehr gut geht.

...


Och, die Kombination find ich gar nicht so schlecht. Wird halt nich richtig feinkörnig.

http://www.flickr.com/photos/alex1976/375464700/
http://www.flickr.com/photos/alex1976/458549989/



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#5

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 20:40
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge
@ Frank

das hier (http://www.hobbyphoto-forum.de/t3711f41-Tropenstimmung.html) war z.B. ein Fuji Sensia 200 Farbdiafilm, den ich an der Kamera auf ISO 500/28° umgestellt habe. Ich hab dann besagten Klebezettel über den DX-Code geklebt und darum gebeten, ihn auf ISO 400/27° zu entwickeln. Damit bleibt - neben der Korrektur um die Blende (ASA 400) - noch eine Unterbelichtung v on 1/3 Blende, damit beim Diafilm die Farben etwas kräftiger herauskommen.

Ciao Sven



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zuletzt bearbeitet 03.04.2008 20:41 | nach oben springen

#6

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 20:45
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge
Da fällt mir noch etwas ein:

das Maximum, was man an nahezu allen elektronischen Kameras herausholen kann, ist ASA 12.800. Dies macht wirklich nur aus seltenen gestalterischen Gründen Sinn, hab ich aber schonmal bei einem Bild gesehen, zu dem es gepasst hat. Da hat der Fotograf einen Film (ich glaub, war der Delta 3200, hätte aber auch ein Neopan 1600 sein können) eingelegt und mit ASA 12.800 belichtet.

Und das geht so:

1. Film einlegen
2. ISO-Korrektur auf ASA 3200 (bei nahezu allen Kameras das Maximum) vornehmen
3. Plus-Belichtungskorrektur (Überbelichtung um 2 Blendenstufen) vornehmen
4. fotografieren mit ASA 12.800

Gruß
Sven

P.S.: Beispiele: http://www.flickr.com/search/?q=ASA+12800



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zuletzt bearbeitet 03.04.2008 20:49 | nach oben springen

#7

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 22:39
von Frank • Mitglied | 208 Beiträge

Vielen Dank für die Antworten!
Das Grundprinzip habe ich erstmal verstanden. Aber soweit ich das durchblicke, ändert sich zum Beispiel and der Körnigkeit oder an den Kontrasten des Films wenig, oder?
Also wenn es die Lichtverhältnisse erlauben macht es wenig Sinn zu pushen oder zu pullen?!
Grüße vom
Frank


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#8

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 22:49
von Grisu • Admin | 9.337 Beiträge
Ein gepushter Film steigert in der Regel, aber nicht zwangsläufig das Korn, das kommt auf die Veränderung und das Ausgangsmaterial an. Ob und wie sich die Kontrastdarstellung ändert, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung ab.

So hab ich letztes Jahr auf einer Hochzeit einen Neopan 1600 erst mit ASA 1600, anschließend einen mit ASA 3200 eingesetzt. Von der Körnigkeit keinen nennenswerten Unterschied, nur die Kontrastdarstellung hat mir bei der 3200er-Variante dann nicht mehr gefallen (sehr harte Kontraste bei schlechten Lichtverhältnissen). Ist aber nicht auszuschließen, dass ich evtl. einen Entwicklungsfehler gemacht hab...

Auch der Sensia 200, gepusht auf ASA 500, war nicht sonderlich körnig(er), Kontrast und Farbdarstellung waren subjektiv nicht anders als mit ASA 200.

Grundsätzlich ist ein Film innerhalb seines Bereiches aber wohl am Besten. Ich würde einen Neopan 1600 auf ASA 1600 immer einem HP5+ oder einem Agfa APX 400 auf ASA 1600 vorziehen.

Hiervon gibt es aber Ausnahmen. So ist z.B. Rollei's Film R3 über einen extrem weiten Bereich (ich meine ASA 25 - 6400) einsetzbar, die Eigenschaften werden über den Entwickler und die Entwicklung gesteuert.

Ciao Sven



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zuletzt bearbeitet 03.04.2008 22:53 | nach oben springen

#9

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 23:13
von hornilla • Mitglied | 2.895 Beiträge

@alex:

ja, ich glaub das ahtten wir schonmal. Vielleicht hab ich ihn auch einfach zu viel gepusht ich glaub ich hab gleich mal 1600 gemacht. Oder ich hatte die falschen Motive, oder die falsche Zeit...ist auch schon ne weile her.

Gruß,
Christoph


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#10

RE: Filme "pushen" - wie funktioniert das?

in Dunkelkammer & Entwicklung 03.04.2008 23:14
von Frank • Mitglied | 208 Beiträge

Ok, das hat mir schon mal sehr weitergeholfen - dann werde ich doch vorerst mal bei der Normalverarbeitung bleiben und irgendwann später experimentieren.
So nebenbei: Jetzt geh ich mal los, um meinen neuen Blitz (Minolta HS 5400) an meiner Dynax 505si super zu testen. Bin mal gespannt, was ich da für Resultate bei Highspeed-Synchronisation erziele - auch ein Neuland für mich. Wird sicher interessant (freu)
Euch allen noch ein schönes Wochenende wünscht der
Frank


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