Zu dem Stativ habe ich mich entschlossen, nachdem ich mir eine Menge Mist an leichten Stativen auf Treffen und in Läden angeschaut habe. Im Netz gab es eigentlich nur positive Stimmen dazu. Mein Manfrotto ist jedenfalls ein eigentlich sinnloses Stativ für mich, weil es mir mit über 3 kg immer zu schwer war mitzunehmen.
Technische Daten Stativ Sirui T1004X:
Alu, 1,1 kg, 4 Beinsegmente, max. Auszug mit Mittelsäule 1,40 m, Tragfähigkeit 10 kg. Das ist das kleinste Stativ der TX-Serie. Preis ca. 90 Euro. Es gibt auch noch die kleinere T-Serie.
Technische Daten Kopf Sirui G10:
Alu, 0,3 kg, 88mm hoch, Schnellwechselplatte, Tragfähigkeit 18 kg. Das ist der kleinste von Sirui einzeln angebotene Kopf. Preis ca. 80 Euro.
Vorgesehene Anwendungsbereiche:
Lumix G1 mit Brennweiten bis 300mm = 600mm KB-äquivalent, Gewicht max. 1 kg
Mamiya M645 mit Lichtschacht und bis 150mm = 100mm KB-äquivalent, Gewicht max. 1,7 kg
Lieferumfang:
Das Stativ kommt in einer robusten Stativtasche mit Umhängegurt, der auch als Stativgurt verwendet werden kann. Eine kurze Mittelsäule für bodennahe Aufnahmen in eigenem Stoffbeutel ist noch dabei. Die kann aber auch zur Verlängerung der normalen Mittelsäule verwendet werden. Verschiedene Inbusschlüssel fehlen nicht.
Der Kopf ist auch in einem robusten Beutel und ein Inbusschlüssel ist dabei.
Erster Eindruck:
Alles incl. Taschen und Beutel macht einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck.
Erster Trockentest mit der M645:
Für die M645 mit Lichtschacht reicht mir eine Höhe incl. Stativkopf von 1,10m. Dafür kann ich entweder das untere, dünne Beinsegment drin lassen und reguliere die Höhe etwas mit der Mittelsäule, oder ich lasse die Mittelsäule ganz drin, ziehe die Beine voll aus und mache mich ein wenig größer. Was besser ist, werden die Tests zeigen.
Die Beinverstellung mit den Drehmanschetten geht sehr gut und man muß die auch nicht so fest anziehen, wie ich das früher mit meinem Gitzo hatte, das ich deswegen (bzw. wegen meiner Gelenkprobleme) verkauft habe.
Die Schnellwechselplatte System Arca Swiss ist erst mal nicht ganz so praktisch wie die Manfrotto, die man nur aufsetzen muß und dann ist die Platte schon mal verriegelt. Hier muß man die Platte einschieben. Das ist unter der großen Mamiya nicht so toll, weil man nichts sieht. Gegen versehentliches Rausrutschen ist die Platte aber gesichert. Man kann auch noch 2 zusätzliche Stopper rausdrehen, die ein Abrutschen der Kamera bei Hochformataufnahmen verhindern sollen. (Es gibt in dem System auch diverse an spezielle Kameraunterseiten angepaßte Platten)
Nicht erwähnt ist auf der Sirui-Seite, daß der Kopf eine Friktionseinstellung hat. Damit läßt sich die Kugelbewegung der persönlichen Vorliebe anpassen. In der voreingestellten Stellung, die ich so übernommen habe, bleibt die Kamera auch geneigt in Position, selbst wenn man die eigentliche Feststellschaube nicht anzieht. Sie macht sich also keineswegs gleich selbständig, wenn man die Kugel löst. Eine feststellbare Panoramadrehung erlaubt der Kopf auch.
Das ganze Ding steht für sein Leichtgewicht von 1,4 kg mit den 1,7 kg Kamera drauf erstaunlich stabil, finde ich.
Und nun der Praxistest:
Der Film ist ein alter Technical Pan @25 entwickelt 8 Minuten in R09 one shot (=Rodinal) 1+100.
Off Topic zum Film und Rodinal: der Film ist in Rodinal 1+100 meiner Meinung immer noch viel zu hart und sehr dicht. Einen habe ich noch, den werde ich vielleicht mal in 1+150 und @50 versuchen. Oder will den einer geschenkt haben? Im Netz liest man immer wieder mindestens 10ml Rodinal für 1 Film. Agfa schreibt bei 1+100 mindestens 250ml Ansatz. Das sind meiner Meinung nur 2,5ml Rodinal.
So, jetzt aber zum Stativtest. Die Kamera war die M645, das Objektiv das N3,5/150mm. Vorweg: und DAFÜR habe ich einen Film verballert!!! Ich habe diverse Belichtungszeiten von 1/60 bis 1 /4 mit und ohne Spiegelvorauslösung getestet, Mittelsäule rein und raus, unteres Beinsegment drin und nicht und sitze verzweifelt vor meinen 4800dpi-Scanns um die Unterschiede zu finden. Ok, die beiden Bilder mit vollem Stativauszug einschließlich Mittelsäule sind tatsächlich etwas schlechter, ungefähr wie die Vergleichsaufnahme, die ich freihand gemacht habe. Aber das werde ich ohnehin nicht benutzen, weil ich dafür nicht mehr mit dem Lichtschacht arbeiten kann sondern das Prisma aufsetzen muß (Okularhöhe ca. 1,65 bei 1,68 Körpergröße ist schon was arg hoch). Zur Not könnte ich mich ja auch ein ganz klein wenig bücken. Ansonsten sind Unterschiede eher zu erahnen, wenn man endlich eine Stelle gefunden hat, der man besondere Aufmerksamkeit schenken kann. Das wäre in dem Beispielbild der Rand der Pflanzschale, der offenbar ein wenig gewellt ist, was man nicht auf allen Bildern deutlich sieht. Unten also mal das Gesamtbild sowie die beste (1/60 mit MLU dünnes Beinsegment nicht ausgezogen, Mittelsäule zur Hälfte) und die schlechteste praxisgerechte Aufnahme (1/60 ohne MLU alle Beinsegmente ausgezogen). Wie beim Manfrotto ist es auch hier nicht so sehr die Mittelsäule sondern das untere dünne Beinsegment, das die Qualität mindert. Wer die Höhe braucht, sollte zu einem etwas größeren Stativ greifen. Alle anderen Aufnahmen liegen dazwischen. Der relativ gewaltige Spiegelschlag der Mamiya wird also offenbar sehr gut gedämpft. Von einer guten Dämpfung besonders des Kopfes hatten schon einige Tests gesprochen. Ich habe auch 1 Vergleichsaufnahme mit dem Manfrotto gemacht und keinen Unterschied gesehen. Ich denke, daß ich mit dem Kauf wirklich zufrieden sein kann.
Am Samstag bin ich mit ein paar Leuten auf Fototour. Da kommt dann der Feldtest, ob ich mir das Stativ für unterwegs wirklich gern antue, oder es beim nächsten Mal doch wieder daheim lasse wie das Manfrotto. Aber 1,4 Kilo sind schon was anderes als 3,4 Kilo.