Hallo zusammen!
Eigentlich ist das ja klar: "Digitale Bilder sind in der Speicherung viel billiger als die teuren analogen Negative." Klar, oder? Oder vielleicht doch nicht so klar?
Was Kauf und Entwicklung einer KB-Patrone kostet, wird von Film und (Heim)Labor abhängen. Aber wer glaubt, digitale Photographie würde bzgl. des Speichers "nichts" kosten, der irrt gewaltig. Das Forummitglied Penta hat mich vermutlich unabsichtlich darauf aufmerksam gemacht und hier dazu meine Überlegungen:
Nehmen wir eine DSLR, in meinem Fall wäre das die D5000. Damit schieße ich nun 36 Bilder, stopfe die SDHC-Karte in den Rechner und kopiere mit ViewNX 2 die Rohdaten auf die Platte. Die Rohdaten sind am besten mit einem KB-Negativ vergleichbar, JPEG kann man nicht sinnvoll nachbearbeiten. Der Überspielvorgang dauert vielleicht zwei-drei Minuten.
Jetzt geht der eigentliche Zirkus los:
1. Zeitaufwand Weißabgleich
Habe ich nicht schon zum Aufnahmezeitpunkt mit der Graukarte einen Weißabgleich getätigt, muß ich das spätestens jetzt nachholen. Das ist etwas Klickerei für jedes der 36 Bilder. Was sollen wir veranschlagen? 1 Minute pro Bild? Aber dann braucht man schon Übung.
2. Datenexport ins TIFF-Format (Danke, Penta!)
Um die Rohdaten (vergleichbar mit den Negativen) dauerhaft zu sichern, können wir es nicht riskieren, nach Jahren mit einem neuen Rechner und neuer Software plötzlich die alten Rohdaten nicht mehr lesen zu können. Dieses Damoklesschwert hängt drohend über uns und der sicherste Weg heißt derzeit TIFF 48-Bit. Das Nikon-Rohdatenformat braucht pro Bild etwa 9-12 MB, wobei die meisten Bilder mit 9,x MB hinkommen. LZW-komprimiert kann man die Größe getrost verzehnfachen. (Ich hab's ausprobiert!) Rechnen wir also überschlägig im Mittel mit knapp 100 MB pro Bild. Eine 700 MB-CD wäre damit mit etwa sieben Bildern voll. Für die 36 Bilder müßte man also mit etwa fünf bis sechs CD-Rohlingen rechnen. Nochmal zur Erinnerung: Wir sprechen hier von der Archivierung der (konvertierten) "Rohdaten", nicht von fertigen JPEG-Bildern, die nur einen Bruchteil benötigen. Nähmen wir einen 4,7 GB-DVD-Rohling, bräuchten wir nur eine einzige Scheibe, aber der Rohling wäre dafür auch teurer. Je nachdem, wie schnell der Rechner ist, muß man mit einer halben bis einen Minute pro Bild rechnen.
3. Stärkere Kompression mit 7-zip
Damit braucht ein Bild nur noch Zweidrittel bis Dreiviertel der Datenmenge und wir kämen mit drei oder vier CDs hin. Allerdings rechne ich überschlägig mit einer weiteren halben bis einen Minute pro Bild. Es hängt sehr von den Leistungsdaten des Rechners ab.
4. Brennen der CDs oder der DVD
Das geht jetzt wieder relativ flott, weswegen ich die Zeit dafür vernachlässigen möchte. Der Unterschied zwischen einer Pergamintasche und CD/DVD-Hüllen wird vermutlich auch nicht ins Gewicht fallen.
Für die Positionen 1 bis 3 muß man zwischen 2 bis 3 Minuten pro Bild rechnen. Aber bis alle TIFF-Bilder endlich gebrannt sind, werden für 36 DSLR-Bilder am Ende auch etwa eineinhalb Stunden vergangen sein, Zeit, in der man auch etwas anderes hätte machen können und die bei analoger Photographie nicht benötigt wird. Rechnet man diese eineinhalb Stunden in Stundenlohn um, kann die digitale Photographie urplötzlich teurer werden als die analoge.
Das ganze Beispiel ist nur überschlägig und hängt sehr von den Leistungsdaten des Rechners und den von den Kameraherstellern so beworbenen Megapixeln ab. Es ist kaum möglich, hier den letzten Cent oder die letzte Arbeitssekunde zu vergleichen, zeigt aber, daß man, wenn man Digitalbilder in einer sinnvollen Form archivieren will, durchaus mit zusätzlichen Kosten und Zeit rechnen muß, was beides in Diskussionen gerne unter den Tisch fällt. Bei genauerem Hinsehen schlägt sich die analoge Photographie recht wacker. Die digitale Photographie ist nämlich gar nicht so billig, wie die meisten glauben. Jetzt wäre es noch interessant, zu wissen, was bei den Kameraherstellern typischerweise das Reinigen eines CCD-Sensors kostet. 
Ich frage mich, wer von den Digitalfundamentalisten, wenn sie erst mal erführen, wie hoch die Folgekosten nach dem Betätigen des Auslösers sind, am Ende aus rein wirtschaftlichen Gründen zum Silberhalogenid zurückkehren würde.
Daniel