mmh... in der zweiten Auflage von "Meine Dunkelkammerpraxis" aus dem Jahr 1961 steht folgendes:
Nach dem Erklären der Begriffe "Normal- oder Tiefenentwickler" und "Rapid- oder Oberflächenentwickler" präsentiert Beutler unter "Kombinierte Entwickler" seine Lösungen A bis D (Metol/Sulfit, Hydrochinon/Sulfit, Soda und Bromkali). Dann folgen Kapitel über die Drei-Schalen- und Ein-Schalen-Entwicklung und danach das Kapitel über Kleinbildtechnik.
Zunächst (ab 1929) verwendete Beutler den Perutz-Leica-Spezialfilm und den Fliegerfilm mit einer Empfindlichkeit von ca. 9° bis 10° DIN, die er mit einem Entwickler aus 50cm³ A, 25cm³ C und 5...10cm³ D je 500cm³-Dosenfüllung; also bereits mit einem recht hoch verdünnten Metol-Entwickler.
Nach einer kurzen Beschreibung, wie sich das Scheinersystem in das DIN-System gewandelt hat, nennt er 1935/36 die Einführung der Mehrschichtfilme als "Wendepunkt in der gesamten Fotografie". Danach beschreibt er ausführlich das Bromsilberkorn und die Sease-Formel als Feinkornentwickler mit hohem Empfindlichkeitsverlust und betont die Wichtigkeit der Empfindlichkeitsausnutzung gegenüber der Feinkörnigkeit. (Dann folgt die Erwähnung des See-Elefanten im "Deutschen Lichtbild".) Im folgenden Kapitel über die Schärfe geht es um Belichtungszeiten, förderliche Blende, die Schärfe des Films, den Diffusionslichthof und dessen Ausgeprägtheit bei den Mehrschichtfilmen. Dann geht es um Konturenschärfe, die nicht dem heutigen Begriff der Kantenschärfe entspricht, und die Rolle der Silberlösemittel. Alles beschreibt Beutler, ohne auf konkrete eigene Rezepturen einzugehen. Dann kommt - endlich - als kleiner angefügter Schlussabschnitt, der Teil über "Neue Kleinbildfilme":
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Als um 1950/51 technisch wohl der tiefste Stand in der Kleinbildfotografie erreicht war, brachte die Fa. Dr. C. Schleussner einen neuen Dünnschichtfilm heraus, dem einige Zeit später ein anderer folgte. Diese Filme führten eine Wende herbei, nicht nur im Sektor Film, sondern auch beim Entwickler.
Beutler freute sich nach anfänglicher Skepsis über diese Einschichtfilme mit steiler Gradation und sehr hohem Auflösungsvermögen (erläutert die Nichtanwendbarkeit von Feinkornentwicklern und Überberlichtung/Unterentwicklung) und fand dann erstaunliche Ergebnisse mit der vormals erwähnten Rezeptur 50 Teile A und 25 Teile C auf 500 Teile Wasser. Bei 18°C betrugen seine Entwicklungszeiten 8...12 min beim KB14 und 14...18 min beim KB17. "Bromkali - 5 bis 10 ccm je Dose - war meist nur beim 17°-DIN-Film nötig, weil diese Filme länger entwickelt werden mussten."
Ein Satz, der heute in den Beutler-Rezepturen meist nicht erwähnt wird. "Meist nur beim KB17" müsste eigentlich heißen, dass es beim KB17 auf jeden Fall nötig war und nur eventuell beim KB14. Den KB21 gab es wohl noch nicht.
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Daß mit dieser Methode bei flauen Motiven Korn auftrat, hat zuerst manchen schockiert, aber dafür konnte man ja den Film 3° DIN kürzer belichten und kam damit in eine höhere Empfindlichkeitsgruppe, die ja ebenfalls ein gröberes Korn hatte.
Dann folgt als nächstes großes Kapitel "Die Neofin-Technik", in dem Beutler von der Verwendung von mehrfach zu verwendenden Stammlösungen auf sein "Gläschensystem" kommt und seine Bedingung, bei höchstmöglicher Empfindlichkeitsausnutzung eine noch größere Weichheit zu erzielen, nennt.
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Ich glaube heute sagen zu dürfen, daß mir dies restlos gelungen ist, denn die Ausnutzung liegt noch 2 bis 3° DIN höher als bei den bereits erwähnten Oberflächenentwicklern [...]
Dann folgt eine ausführliche Erläuterung der Kopierbarkeit von Lichtern und Schatten und der Empfindlichkeitsausnutzung.
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Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn man den Belichtungsmesser 5 bis 6° DIN höher einstellt [...] Diese Höherbewertung gilt für a l l e Filme, gleich welcher Art. Bei weicherer, höchstempfindlicher Emulsion und bei Kunstlicht kann man sogar 8° DIN kürzer belichten [...]
Das nächste Kapitel über "Neofin rot" beschreibt diese Variante als Entwickler mit den gleichen Eingenschaften wie Neofin blau, der aber "härter oder richtiger gesagt: schneller" arbeitet.
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Wer Zeit hat, sollte b l a u nehmen [...] Ich selber benutze Neofin blau für alle Filmsorten [...]
Dann folgt die ausführliche Gebrauchsanleitung zu Neofin mit Kapiteln über die Nachfüllpackung, den Neofin-Tank, Fehler bei der Entwicklung, die Handhabung ("Nach dem Fixieren wird der Film in fließendem Wasser etwa eine Stunde gewässert."), Entwicklertemperatur, Gammwert, Gradation und Tonwerte.
Das versteh' ich jetzt so, dass Willi Beutler um 1930 schon sein Konzept der Oberflächenentwicklung mit den damaligen Einschichtfilmen angewendet hat. Die nachfolgende Ära der Dickschichtfilme hat ihn nicht zu besonderen Verfahren angespornt, allerdings konnte er sein "altes" Prinzip bei den "neuen" Adox-Filmen als Neofin perfektionieren.
Wichtig finde ich den Abschnitt mit dem Kaliumbromid, das meine Ergebnisse mit der "Beutler-Rezeptur" bezüglich Schärfe und Kontrast doch angenehm verbessert hat.
Historisch swingende Grüße
Henning